Mit dem Elektroauto vom Ruhrgebiet nach Südfrankreich

Lautlos unterwegs

  Ein Experimentalreise-Bericht aus der Zukunft

 von Wolfgang Papenberg und Michael Skirl, Sommer 2016-2023

Hier finden Sie einige Leseproben aus dem am 30. Januar 2017 erschienenen Buch. Es ist nur noch über mich, ggf. auch in Einzelfällen über den Buchhandel zu beziehen.

Das Buch kostet nur noch 10,- € (zuzüglich Versandkosten) statt früher 16,- €

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Aktuelle Infos zur Ergänzung des Buchs findet man unter "Aktuelles"

Leider hatten sich einige Fehler und versehentliche Auslassungen in der ersten Textversion eingeschlichen, sodass nun erst die korrigierten Teile zu lesen sind. Wir bitten um Verständnis.Auch sind die unterstrichenen Worte nun mit Internetlinks versehen, damit es einen leichteren Zugang zu weiteren Informationen gibt.



4. Experimental-Reise von Unna am östlichen Rand des Ruhrgebiets nach Barjac in Südfrankreich

Lautlos unterwegs 4.0

Tagebuch der 4. elektromobilen Reise von Unna nach Barjac/Gard vom 18. bis 28. Februar 2023

Mit einem Geständnis muss der Bericht über die vierte Reise der beiden Freunde beginnen: von einer komplett lautlosen (und abgasfreien) Fahrt kann diesmal keine Rede sein. Denn diesmal stand Wolfgangs Tesla für die Reise nicht zur Verfügung, so dass sie mit Michaels Plug-in-Hybrid vorlieb nehmen mussten, einem Audi A3 Sportback 40 etron, also der bekannten Kombination von Verbrenner, konkret ein 1,4 l-Benziner mit 150 PS, und einem 104 PS starken E-Motor, der mit seinem relativ kleinen Akku von 6,8 KW/h eine rein elektrische Reichweite von max. 50 km im Sommer, jetzt im Winter von ca. 40 km und eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h erlaubt. Insofern eignet er sich nach Michaels ca. zweieinhalbjähriger Erfahrung perfekt für den alltäglichen Kurzstreckenverkehr, so dass der Verbrenner manchmal vier oder sechs Wochen nicht zum Einsatz kommt. Für die Entfernung Unna – Barjac von rund 1050 km und zurück kann allerdings mit diesem Fahrzeug auf den Verbrenner nicht verzichtet werden. Für eine solche Langstrecke stellen verschiedene Fahr-Modi die alternative oder kumulative Nutzung der beiden Antriebssysteme zur Verfügung: Nutzung oder Erhalt der Akku-Kapazität oder gar Ladung des Akkus durch den Verbrenner bis hin zur Koppelung beider Antriebe, die dann eine Gesamtleistung von 204 PS bietet, mit Hilfe des Drehmoments des E-Motors durchaus sportliche Fahrleistungen und insbesondere kurze Überholvorgänge ermöglicht. Diese Leistung kann – unabhängig vom gewählten Fahr-Modus – auch durch ein Durchtreten des Gaspedals im Sinne des sog. Kickdowns kurzfristig und jederzeit abgerufen werden.
Im klassischen Hybrid-Betrieb, also der alternativen Nutzung beider Energiequellen, liegt der Spritverbrauch je nach Länge der Strecke zwischen 1 und 3 l/100 km, im reinen Langstrecken-Verbrenner-Betrieb bei ca. 120 km/h auf Autobahnen zwischen 5,5 und 6 l/100 km, auf Landstraßen bei den in Frankreich erlaubten 80 km/h etwa bei 4,5 l/100km/h.
Vor diesem Hintergrund stellte sich zumindest für Wolfgang, der sich seit 2015 rein elektrisch bewegt, der Charakter der Reise diesmal nun ganz und gar nicht experimentell, sondern rein nostalgisch dar: wie war das noch früher mit den kurzen Tankstopps und der Freude über die günstigen Spritpreise in Luxemburg?
So brachen die beiden Freunde am Samstag, dem 18. Februar, um 9 h bei 8° C und bedecktem Himmel in Unna auf, im Bergischen Land stellte sich wie gewohnt Nieselregen ein. Das Nadelöhr Köln passierten sie ebenso problemlos wie die Strecke durch die Eifel auf der B 51; nur der Nieselregen wurde kühler, auf den Höhen ca. 4° C, in den Straßengräben lagen Schneereste.
Nach dem Zwischentanken in Wasserbillig (Super E 10 1,56 €/l) verlief auch die Passage von Luxemburg bis Nancy völlig unspektakulär; dies überraschte sie insofern, als die in der Regel sehr verlässliche Seite „Bison futé“ des französischen Verkehrsministeriums vor erheblichem Hin- und Rückreiseverkehr aus der und in die Region Paris, von und nach Belgien und den Niederlanden gewarnt hatte.
Auch aus diesem Grund hatten sie schon vorher beschlossen, die ab Toul mautpflichtige Autobahn A 31 zu meiden und den Zeitgewinn durch größere Reichweite und kürzere Tankstopps des Audis für eine Fahrt über Land(-straßen) zu nutzen.
So nahmen sie ab Nancy-Süd die N 57 Richtung Epinal, die ein gutes Stück lang vierspurig ausgebaut ist, allerdings doch einen deutlichen Bogen nach Südosten macht. Insofern hatte Michael vorgeschlagen, auch diesen Kurs aufzugeben und ihren Zwischen-Übernachtungsstopp möglichst nahe der Ideallinie anzusteuern.
Demgemäß verließen sie die N 57 über die Ausfahrt Charmes/Mirecourt und durchquerten über meist landschaftlich schöne Landstraßen das ländliche Lothringen in süd-südwestlicher Richtung, gelegentlich dem Oberlauf der Saône folgend, die weiter im Süden ab Lyon mit der Rhône zusammengeht.
Über das hübsche Städtchen Gray, vgl. Lautlos unterwegs 2.0, und die sehenswerte Stadt Dole erreichten sie nach Zwischentanken für stolze 1,86 €/l gegen 18.20 h die ihnen hinlänglich bekannte „Hostellerie Bressane“, vgl. Lautlos unterwegs 3.0, in St. Germain-du-Bois, gelegen in der Bresse Bourguignonne, bekannt für berühmtes Geflügel.
Wie schon häufiger hatte Michael dort gebucht, diesmal wieder für sie beide je eine „soirée étape“, d.h. das „menu du jour“ (Tagesgericht) als Abendessen und ein Einzelzimmer mit Frühstück für jeweils 90 €. Dies erschien weiterhin sehr günstig für die Qualität der Küche, erst recht angesichts umfangreicher Renovierungen im Hotel, z. B. der Bäder, der Installation von Klimaanlagen in den Zimmern und – hört, hört! – einer E-Ladesäule auf dem Hotel- Parkplatz, die demnächst in Betrieb genommen werden soll.
Nach einer kurzen (und späten) Siesta entschieden sie sich zum Apéro für „bière pression“, also Bier vom Fass, dazu wurden von Seiten des Hauses kleine salzige Naschereien aus der Küche gereicht. Als „amuse bouche“, der eigentliche Gruß aus der Küche, gab es ein kleines Glas Maronen-Steinpilz-Schaumsüppchen, beides mundete sehr. Das erst jetzt folgende Abend-Menu, das, wie sie später feststellten, an diesem Tag sogar viergängig sein sollte, wurde eröffnet durch zwei ordentliche Scheiben „jambon persillé“, einer typisch burgundischen Schinkensülze mit viel Petersilie, begleitet von einem Feldsalat mit klassischer Vinaigrette, letzteres einem Lieblingsgericht von Wolfgang, von dem wir noch hören werden.
Als Hauptgang gab es ein gebratenes Schweinskotelett mit Brunnenkresse und paprizierten Schupfnudeln, dazu hatte Wolfgang eine Flasche fruchtig-feinen Sauvignon blanc aus der Region ausgesucht, auch dieser mit seinen 38 € in einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis, wie sie fanden. Es folgten ein kleiner Käseteller mit drei regionalen Erzeugnissen und schließlich als Dessert eine Ganache-Sahne, worauf Michael mannhaft verzichtete.
Auch das Frühstück am nächsten Morgen ließ kaum zu wünschen übrig: frischgepresster Orangensaft, Koch-, Rühr- oder Spiegelei, nach Wahl frisch zubereitet, Müsli, Joghurt, Käse, Konfitüren…..alles nach schon am Vorabend getroffener Wahl auf einem Zettel im Ankreuz-Verfahren; dies ein Überbleibsel aus Corona-Zeiten, das, wie Madame Giot, die Hôtelière, wissen ließ, beibehalten werden solle, weil es so viel weniger „gaspillage“ gebe, wörtlich Verschwendung, gemeint ist die Entsorgung von nicht gegessenen Lebensmitteln bei dem früheren Buffet-Betrieb.
Gegen 9.30 h brachen sie bei bedecktem Himmel und 6° C auf, um zunächst im Städtchen Louhans ein paar Einkäufe zu tätigen, denn neben den Bäckereien haben auch etliche Supermärkte in Frankreich Sonntagsvormittags geöffnet.
Über die Autobahnen 39, 40 und 42 hielten sie bei lebhaftem, aber flüssigem Verkehr auf Lyon, anfangs begleitet von etlichen Winterurlaubern auf dem Weg in die Skigebiete der Alpen, erkennbar an den Dachgepäckträgern mit Skiern. Auch das Nadelöhr Lyon durchquerten sie problemlos, immer in der Erwartung eines aufreißenden Himmels, der sich diesmal erst etwas weiter südlich, nämlich ab Valence, einstellen sollte.
Bei strahlendem Sonnenschein verließen sie die A 7 bei der Ausfahrt Montélimar-Süd und erreichten das im Norden des Departements Gard gelegene Barjac eine Stunde später gegen 14.20 h bei 19°C.
Insofern diente das allfällige Lüften von Wolfgangs Haus auch seiner Erwärmung, im Winter nicht ungewöhnlich, denn im Innern zeigten die Thermometer nach offensichtlich längeren Perioden mit kühlen Temperaturen ganze 8° C.
Auch dieses Mal hatte Wolfgang Michael eingeladen, bei ihm zu wohnen, schon um für die acht Tage geplanten Aufenthalts nicht zwei Häuser in Betrieb nehmen und insbesondere aufheizen zu müssen, was Michael wieder gern annahm. So richteten sie sich ein und aktivierten den Warmwasserbereiter und alle – wie in Frankreich üblich - durchweg elektrischen Heizkörper. Wolfgang legt in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass er statt des billigen französischen Atomstroms etwas teureren Ökostrom aus einer örtlichen Solar-Kooperative bezieht.
Am späteren Nachmittag fuhr Michael in sein Haus im ca. 6 km nördlich gelegenen, aber schon zum Departement Ardèche gehörenden Bessas. Dort wollte er nach dem Rechten   sehen und insbesondere den Strom einschalten, um mit Hilfe von drei im Haus verteilten Ultraschall-Geräten den Mäusen den Kampf um die Wohnräume anzusagen. Nunmehr im dritten Jahrzehnt Eigentümer einer im Kern ca. 400 Jahre alten Doppelhaushälfte, war er in diesem Zusammenhang bescheiden geworden und schon damit zufrieden, wenn sich die unvermeidlichen Mitbewohner auf ihren Lebensraum innerhalb des zweischaligen Mauerwerks beschränkten. Das war aber nach ca. viereinhalb Monaten der Abwesenheit menschlicher Bewohner – zuletzt waren seine Liebste und er vier Wochen im September 2022 dort gewesen – keineswegs sichergestellt.
Zugleich nahm er aus seinem Keller zwei Flaschen Wein mit, denn zu ihrer beider Erstaunen hatten sie bei ihrer Ankunft festgestellt, dass Wolfgangs Haus wohl nach dem Besuch von Freunden im letzten Oktober leer getrunken war.
Nach Michaels Rückkehr in die WG auf Zeit – Wolfgang hatte sich inzwischen bei den freundlichen Nachbarn, die sein Haus im Blick haben, gemeldet und ein paar Aufmerksamkeiten übergeben -- wurde der sehr effiziente Kaminofen im Wohnzimmer in Betrieb genommen, das Haus erwärmte sich langsam, und allmählich wurde es Zeit fürs Abendessen. Für diesen Abend hatte Michael ganz simpel Spaghetti Bolognese vorgesehen, das entsprechende Ragù hatte er zu Hause zubereitet und mitgebracht. Dazu passten sowohl der weiße Viognier von Jouve in Laval St.Roman wie auch der leichte Rosé von Chabrier in Bourdic, wie die Freunde im Rahmen einer kleinen Verkostung feststellten. Und schon stellte sich bei ihnen das typische Südfrankreich-Gefühl ein, allein dessentwegen lohnte sich auch eine kurze Reise, diesmal sollten es acht Tage netto, also zuzüglich Hin- und Rückfahrt, sein.
Am Montagvormittag standen bei herrlich blauem Himmel weitere Einkäufe an, danach drängte es Michael, seine seit viereinhalb Monaten nicht mehr bewegte „Quatrelle“, so die niedliche französische Bezeichnung für die inzwischen kultigen R 4 von Renault, aus der Garage zu holen. Wolfgang blieb derweil bei Dominique und Peter, den französisch-deutschen Freunden, die in Bessas ihr „restaurant-galerie plein sud“, ein kleines, aber feines vegetarisches Bio-Restaurant, betreiben, im Winter allerdings leider nur Samstagabends und Sonntagmittags. Daneben gibt es regelmäßig – der Name lässt es erkennen – Ausstellungen, Installationen, Performances oder auch Konzerte, denn Peter ist bildender Künstler.
Da der R 4 dank neuer Batterie problemlos ansprang, gesellte sich Michael bald wieder zu den Freunden, die auf ihrem „belvédère“, einem wunderschönen Sitzplatz im Garten mit herrlicher Aussicht nach Süden, bei 20° C die Mittagssonne genossen. Die beiden Freunde meldeten sich zum Mittagessen am folgenden Sonntag an und luden Dominique und Peter für den folgenden Freitag zum Nachmittagskaffee zu sich ein.
Nach ihrem Mittagsimbiss folgten die Freunde dem „chemin pédestre autour du village“, einem ausgeschilderten Rundweg um Bessas, der, da das 200-Seelen-Dörfchen auf einem Hügel liegt, oft einen schönen Blick ins Land bietet.
Nach Barjac zurückgekehrt, ging es mal wieder um die einfachen, die basalen Dinge: Wärme und Essen. Bald prasselte wieder das Feuer im Kaminofen, und Michael, der gern kocht, machte sich an die Vorbereitung des Abendessens. Wohl angeregt durch das Menu in der „Hostellerie Bressane“, hatte sich Wolfgang als Vorspeise wieder Feldsalat gewünscht, diesmal aber mit gebratenem Räucherspeck, Schalotten und Walnüssen, als Hauptgang freute er sich auf Rosmarin-Zitronen-Hähnchen mit Brokkoli-Parmesan-Risotto, dafür hatten sie eingekauft.
Dazu gab es die Reste der Weine vom Vortag und den ersten Teil einer „cuvée“, also eines Verschnitts, und zwar aus den Rebsorten Viognier, Marsanne und Roussane, wiederum von Jouve, der zu Wolfgangs Lieblingsweißen zählt. Den Abschluss bildeten aus der ersten Heimat mitgebrachte Schokoladen-Taler, gefüllt mit Marzipan und Pflaume in Madeira, begleitet von einem kleinen Gläschen Schweizerischen Quittenbrandes, ein Geschenk der Freunde Wolfgangs, die im Oktober dafür gesorgt hatten, dass sein Haus frei von Wein geworden war.
Am Dienstag, wiederum ein Tag strahlenden Sonnenscheins, allerdings etwas kühler als am Vortag, stand ein Gang auf den Markt in St. Ambroix an, knapp 20 km südwestlich von Barjac gelegen, wohin es mit Michaels R 4 ging, der bewegt werden sollte. Zum Erstaunen der beiden Freunde war der Markt auch jetzt im Winter fast vollständig beschickt, sodass der geplante Einkauf, u.a. von Fisch, Lammfleisch, Käse und Oliven, kein Problem war. Beim Gemüse entschieden sie sich u.a. für ein Bündel kleiner violetter Artischocken, eine Fenchelknolle und frische „fèves“, Dicke Bohnen.
Der anschließend vorgesehene Besuch im „café Kardamome“ auf eine „noisette“, einem Espresso mit einem Schuss Milchschaum, scheiterte leider an Platzmangel. So blieb Michael, die fällige Versicherungsprämie für den R 4, übrigens ganze 65,57 € für ein Jahr, bei der ortsansässigen Agentur zu bezahlen und im Gegenzug den entsprechenden Nachweis in Gestalt einer Marke zu erhalten, die von innen rechts unten an der Windschutzscheibe anzubringen ist, neben der Marke der „contrôle technique“, die unserer TÜV-Plakette auf dem hinteren Kennzeichen entspricht. Wichtig war auch, den Kleinen, wie Michael ihn gern nennt, aufzutanken; denn auch Benzin kann „schlecht“ werden in dem Sinne, dass etliche der Additive, die Kraftstoff heute enthält, ihre Wirkung mit der Zeit verlieren. 2,03 €/l war der mehr als stolze Preis für Benzin mit 98 Oktan, und dies sogar bei einer der als günstig geltenden Supermarkt-Tankstellen.
Nach dem Mittagsimbiss und einer kurzen Siesta stand die Auffüllung von Wolfgangs Brennholzvorrat an, wozu Michaels Kleiner sich mit wenigen Handgriffen in einen kleinen Kastenwagen verwandeln lässt. Die beim örtlichen Holzhändler aufgerufenen 46 € für einen halben Ster geschichtetes, 18 Monate gelagertes Hartholz der Länge 50 cm verblüffte angesichts der aus Deutschland bekannten Energiekrisen-Preise von z.T. über 200 €/Ster.
Nach dem Apéro mit ein paar Oliven sollte das Abendessen beginnen mit „artichauds à la Barigoule“, ein Artischocken-Ragout mit Knoblauch, Frühlingszwiebeln und Kirschtomaten, danach war ein Schwertfisch-Steak mit gratiniertem Fenchel vorgesehen. Dazu passte der Weiße vom Vorabend, ergänzt durch eine Karaffe offenen Rosés der örtlichen Winzergenossenschaft. Nach einer deutlichen Pause gab es noch eine kleine Verkostung der auf dem Markt erstandenen Käse, einem St. Félicien aus der Nähe von Lyon und einem 24 Monate alten Comté aus dem Jura.
In der Nacht auf Mittwoch hatte sich der Himmel bezogen, aber war es trocken. In der Hoffnung auf besseres Wetter machten sich die beiden Freunde mit dem Kleinen auf den Weg in das ca. 45 km südlich gelegene Uzès, einem inzwischen herausgeputzten Renaissance-Städtchen, vgl. Lautlos unterwegs 3.0.
Gegen Mittag kam aber doch die Sonne wieder heraus, und der Gang über den Markt und der Bummel durch Antiquitäten-Geschäfte und Buchhandlungen machten Spaß. Zurück in Barjac, war Michaels Audi an der öffentlichen Ladesäule für den weiteren Kurzstreckenbetrieb vor Ort aufgeladen, und sein Kleiner, hinreichend bewegt und betankt, verschwand wieder in seiner Garage in Bessas.
Am Nachmittag rief Wolfgang zur Gartenarbeit auf: Laub wurde geharkt, Büsche und Sträucher zurückgeschnitten.
Zum Abendessen gab es als Vorspeise die beiden restlichen Artischocken, diesmal allerdings klassisch in Salzwasser gekocht, und dazu eine selbst gerührte Mayonnaise, in die die Franzosen die gezupften Artischockenblätter tunken und abzutscheln. Als Hauptgang folgte ein Stück Lammrücken, das mit viel frischem Thymian und Knoblauch bei 200° C ein Stündchen im Backofen zugebracht hatte, mit einer Beilage aus Dicken Bohnen und Nudeln, ein Rezept, dass Michael von seinen sizilianischen Nachbarn bekommen hatte. Dazu werden die ausgepalten Bohnenkerne und z. B. Penne Rigate ungewöhnlicherweise zusammen in möglichst wenig Kochwasser gekocht, optimalerweise ist die Flüssigkeit am Ende der Garzeit nahezu völlig resorbiert. Mit viel schwarzem Pfeffer, reichlich geriebenem Parmesan und Santoreggia (entspricht unserem Bohnenkraut) gewürzt und serviert, es ging sehr gut zum rosig gebratenen Lamm. Dazu tranken sie einen hervorragenden Bio-Roten aus dem Nachbarort Orgnac, alles in allem ein Genuss. Auf den Käsegang verzichteten sie, ein Marzipantaler mit Madeira-Pflaume und ein kleines Quittenschnäpschen passten dagegen schon noch.
Am Donnerstagvormittag ging es bei trübem Wetter und gelegentlichen Nieselregen zuerst zum Weingut Chazalis in Beaulieu, um dort für einen Freund Wolfgangs zwei Kisten von dessen Lieblingsrotem zu kaufen, anschließend nach Ruoms, einem Ort, der zusammen mit Vallon-Pont-d’Arc den Kern des Ardèche-Tourismus bildet, in einen Baumarkt; dort wurden ein paar Elektro-Artikel, u.a. eine Steckdose für Wolfgangs Keller, erworben. Nach kurzer Siesta brachen sie gegen 15.30 h zu Maria auf, die eine halbe Auto-Stunde weiter westlich mit ihrem Mann Markus den Mas du Pommier bewohnt, vgl. Lautlos unterwegs 3.0. Zunächst bei Kaffee und Kuchen, den Wolfgang und Michael mitgebracht hatten, später mit herzhaften Kleinigkeiten wie von Maria selbst zubereiteten Hummus mit Gemüse-Nachos, vor allem aber mit ihrer köstlichen Gemüse-Tarte und einem schönen Fläschchen Wein verbrachten sie ein paar anregende und heitere Stunden.
Auch der Freitag begann, entgegen den langfristigen Wetterprognosen, die für die ganze Woche strahlend-blauen Himmel vorhergesagt hatten, grau verhangen. Gleichwohl war der Besuch des Marktes in Barjac natürlich unumgänglich, zumal Wolfgang dort bei dem Imker seines Vertrauens größere Mengen Bio-Honig für sich und Freunde kaufte, Michael dagegen die Zutaten für ein Steinpilz-Risotto. Dieses sollte am Abend begleitet werden von einer „chipolata“, eine Art dünner grober Bratwurst, die in einem kleinen Laden angeboten wird, in dem eine ganze Reihe örtlicher Bio-Erzeuger wohl im Sinne einer Genossenschaft ihre Produkte vermarkten, so auch der Rotwein vom vorigen Abend.
Für den Nachmittag, währenddessen es zur Freude aller Ortsansässigen kräftig regnete, waren Dominique und Peter, die Freunde aus Bessas, zu Kaffee und Kuchen eingeladen, allerdings kam Peter allein und entschuldigte Dominique, die schon zu sehr mit den Vorbereitungen für ihr Wochenend-Restaurant beschäftigt war. So gab es bei einer Obsttorte und schokoladigen Crème-Schnittchen eine reine Männerrunde.
Danach versuchten sich die beiden Freunde an der Montage und Inbetriebnahme der neuen Aufputz-Steckdose im Keller, leider nur mit Teilerfolgen: die Montage klappte im 2. Anlauf, der elektrische Anschluss infolge eines Kabel-Chaos in dem entsprechenden Wandverteiler dagegen nicht, also ein Fall für Toni, einen begnadeten Bastler, Heimwerker und Gärtner, den beide schon für kleinere Reparaturen in Anspruch genommen hatten.
Nach dieser Frustration stellten sie fest, dass die süßen Köstlichkeiten vom Nachmittag so gehaltvoll gewesen waren, dass das Abendessen doch deutlich kleiner als geplant ausfallen sollte. Sie verschoben das Risotto auf den nächsten Tag und ließen es bei einem sehr fruchtigen „mesclun“, einem gemischten Bittersalat, und der Bio-Chipolata bewenden, letztere stellte sich als (weitere) Enttäuschung heraus. Von den „cochons noirs“, also schwarzen Schweinen stammend, war sie vielleicht eher zu mager, dafür traten beim Braten erhebliche Mengen wässriger Flüssigkeit aus, womöglich war zu viel Eis beim Cuttern verwendet worden. Trotz größter Hitze unter der Pfanne siedete sie eher, als dass sie bräunte, und das Ergebnis überzeugte weder vom Geschmack noch von der Textur her.
So musste das Käsebrett, das an einem neuen Marktstand mit ausschließlich Bio-Käsen u. a. durch einen Bleu de Vercors, also einem Blauschimmel-Käse aus den Alpen, und einen 26 Monate alten Comté ergänzt worden war, als Ausgleich herhalten. Am besten schmeckte ihnen ein kleiner Ziegenkäse, wie er für die Region typisch ist. Es gibt sie in einer ganzen Palette von Reifegraden von ganz frisch/quarkig über fest/hoch aromatisch bis streng, ihrer war „crémeux“, also mittelreif und cremig. Auch eine Flasche des erst kürzlich entdeckten köstlichen Bio-Rotweins trug nicht unerheblich zur Tröstung bei.
Für Samstag waren der Abzug des Regengebiets, Mistral, der kühle Nordwind aus dem oberen Rhônetal, und über 8 h Sonne vorhergesagt. Daran stimmte allenfalls, dass es nicht mehr trüb und grau war, sondern eine hohe dünne Wolkendecke gelegentlich den Stand der Sonne erahnen ließ. Dessen ungeachtet fuhren sie nach dem Frühstück ins ca. 20 km westlich gelegene Les Vans, einem Örtchen am Ostrand der Cevennen mit einem der schönsten Märkte der Region. Nach ein paar (schon wieder) letzten Einkäufen ergatterten sie einen Tisch auf der Terrasse ihres Lieblings-Cafés, wo sie bei 2 Säften in einer fahlen Sonne und ohne den angekündigten Mistral das lebhafte Markttreiben betrachteten.
Nach Mittagsimbiss und Siesta gab es noch ein paar Sägearbeiten im Garten zu erledigen.
Gegen 19.00 h ging es wieder hoch nach Bessas, um nach einer kurzen Planänderung statt am Sonntagmittag nun ein Abendessen bei Dominique und Peter zu genießen, zu dem Michael Wolfgang zum Dank für die WG auf Zeit kurzerhand einlud. Aus der Karte wählte Wolfgang die Gemüse mit Thai-Reis und den Zitronenkuchen, Michael die Gnocchi und das Früchte-Vacherin. Dazu tranken sie einen vortrefflichen Bio-Chardonnay von der Domäne „Intras“. Wie gewohnt, gab es zuvor als Vorspeise Grüße aus der Küche, ein paar herzhafte Köstlichkeiten auf einem sehr schönen alten Silber-Tablett. Wie jedes Mal war alles wieder vortrefflich, und selbst dem Fleischesser Michael fehlte auch an diesem Abend das Fleisch nicht, wie er nicht müde wird zu betonen. In einem Williams Christ aufs Haus fand das Menü einen würdigen Abschluss, den sie nach der Rückkehr in ihr Domizil noch ein wenig prolongierten.
Mit Sonntag war schon wieder ihr letzter Tag angebrochen, und nun endlich blies der Mistral mit Böen bis zu 80 km/h; es hatte sich nachts auf 4° C abgekühlt und sollte sich am Vormittag bei strahlendem Sonnenschein auf nicht mehr als 8° C erwärmen, der kräftige Wind sorgte aber dafür, dass es sich deutlich kühler anfühlte.
Für 10 h hatte Wolfgang noch schnell einen Termin mit Toni vereinbart, der sich neben verschiedenen anderen Kleinigkeiten auch des Steckdosen-Anschlusses im Keller annahm. Mit Hilfe eines profimäßigen Voltmeters brachte er schnell Ordnung in das Kabel-Chaos der Verteilerdose und führte die gestrige Arbeit der Beiden erfolgreich zu Ende, während Michael sein Haus in Bessas wieder in den Abwesenheits-Modus versetzte.
Am Nachmittag standen erste Aufräum- und Putzarbeiten an; der Audi kam wieder an die Ladesäule, diesmal eher, um den bei der Rückreise unumgänglichen Verbrenner-Betrieb bei Bedarf durch die Elektro-Power verstärken zu können.
Als Vorspeise des nun folgenden Abendessens hatte sich Wolfgang endlich wieder mal Feldsalat gewünscht, auf Michaels Anregung ergänzt eine „endive“, wir nennen sie Chicorée, und bereitete als Tunke eine klassische Vinaigrette aus Olivenöl, Balsamico, Senf, Pfeffer und Salz. In etwas Öl wurden Räucherspeck-Würfel ausgelassen, darin fein geschnittene Schalotten angeschwitzt, mit der Vinaigrette abgelöscht, aus der heißen Pfanne über den Salat gegossen und mit grob gehackten Walnüssen bestreut, das ganze eben als Vorspeise und nach Wahl mit einem Rest auch als Beilage zum Risotto gedacht.
Das Steinpilz-Risotto, gleichfalls ein Gericht mit Tradition, bereitete Michael ganz getreu nach Ziffer 3 des Rezeptanhangs zu Lautlos unterwegs 3.0.
Zur Vorspeise gab es noch vom offenen Rosé, zum Risotto von dem neu entdeckten köstlichen Roten aus Orgnac; eine kleine Käserunde schloss ihr letztes Abendessen in Barjac ab.
Der Montagmorgen, der erste Rückreisetag, wartete mit einer Überraschung auf:  Dächer und Wiesen trugen eine hauchdünne Schicht Schnee, wie Puderzucker. Gegen 7.30 h waren es am Haus um die 0° C bei typischem Mistralwetter, der strahlende Sonnenschein trieb die Temperaturen schnell ein paar Grad über Null, der kräftige Nordwind sorgte indessen wieder dafür, dass es sich kühler anfühlte. Nach einem letzten Frühstück, den notwendigen Pack-, Putz- und Aufräumarbeiten brachen die Freunde gegen 10.45 h auf, nicht ohne beim Lieblings-Winzer Jouve in Laval-St.Roman für eine kleine Ergänzung der heimischen Weinvorräte zu sorgen.
Als Zwischenübernachtung hatte Wolfgang schon von Unna aus zwei „soirées étapes“ für je 105 € in dem ihnen noch nicht bekannten Hotel „Cheval Blanc“, dem Weißen Ross also, in Langres gebucht, einer einst bedeutenden Festungsstadt, im Grenzgebiet zwischen Champagne, Lothringen und Burgund auf dem nach ihr benannten Plateau gelegen. Sie erreichten das Hotel gegen 16.30 h. Es befindet sich innerhalb der historischen Altstadt in einem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, das u.a. als Kirche (St. Amastre), Hospital, Sitz der Tuchmachergilde und schließlich seit dem 19. Jahrhundert als Hotel diente. Restaurant, Lounge und die Zimmer sind allerdings zeitgenössisch eingerichtet. Da für die Nacht -5° C angesagt waren, stellten sie den Audi zur Vermeidung von Frostschäden an der Weinladung in die Hotelgarage, für günstige 5 €.
Die Zeit bis zum Abendessen nutzten die Freunde für einen trotz kalten Windes längeren Gang durch die Altstadt, die nur z. T. renoviert und bewohnt ist. Dass manche Viertel dessen noch harren, zeigen viele verwahrloste Gebäude mit geschlossenen Läden an. Ganze Straßenzüge wirkten leer und verlassen, was möglicherweise auch der Jahreszeit geschuldet war. Eindrucksvoll sind jedenfalls die frühgotische Kathedrale St. Mammès, das Rathaus und das „Musée des Lumières Diderot“, also ein jenem Vordenker des Zeitalters der Aufklärung gewidmetes Museum.
Als Vorspeise ihres dreigängigen Abendessens entschieden sie sich für „champignons farcis gratinés sur lit de salades“, also gefüllte und überbackene Champignonköpfe auf einem Bett von – na was wohl? – Feldsalat, ihrem vierten innerhalb von acht Tagen. Beim Hauptgang entschied sich Wolfgang für „lieu noir“, also Seelachs, Michael für „tête de veau“, gekochten Kalbskopf mit „sauce gribiche“, einer Art Vinaigrette mit gehackten Cornichons, Kapern, Ei und Kräutern; die Beilagen aus Wintergemüsen waren für beide gleich. Dazu tranken sie je ein Glas Chardonnay aus Burgund, Speisen und Getränke waren bis hierhin ordentlich, erreichten jedoch das Niveau der von ihnen geschätzten Hotels „Burnel“ oder „Hostellerie Bressane“ nicht ganz. Deutlich fiel allerdings der Käsegang ab: allen drei Sorten fehlte es an Reife und Geschmack, das galt insbesondere für den „Langres“ – ausgerechnet!! Der rote Burgunder dazu – die Gläser großzügig eingeschenkt – war passabel. Wiederum hielt der von Wolfgang noch georderte „Café Gourmand“, ein Kaffee mit verschiedenen Süßigkeiten – nur optisch, nicht aber seiner kritischen Experten-Zunge stand.
Gleichwohl war das Restaurant für einen Montagabend im Februar sehr gut besucht, und zwar nicht von Hotelgästen, wie das nur wenig frequentierte Frühstück am nächsten Morgen zeigen sollte. Beiden Freunden fiel die vergleichsweise große Zahl der Kellner auf, fast nur jüngere Männer, die bis auf einen nicht dafür ausgebildet waren und so wirkten, als ob sie nicht nur Kollegen waren.
Das Frühstücksbuffet im nahezu leeren Speisesaal war ordentlich, ihre Zeche ebenso, aber doch deutlich höher als auf dem Hinweg bei besserem Essen, eine Übernachtung dort also nur bedingt zu empfehlen.
Für die restlichen gut 500 km entschlossen sie sich am frostigen Dienstagmorgen, wieder auf mautpflichtige Strecken zu verzichten und bei Sonne, wenigen Wolken und leichtem Frost bis kurz vor Nancy nahe der Ideallinie über Land zu fahren, im Wesentlichen die gut ausgebaute und landschaftlich oft schöne D 74. Kurz hinter Toul erreichten sie die ab dort mautfreie A 31, die sie den üblichen Weg über Nancy und Metz nach Luxemburg führte. Dort wurde der Audi aufgetankt für 1,56 €/l, exakt 30 Cent günstiger als ihre letzte Tankfüllung in Langres. Nach einem frugalen Imbiss ging es gegen 13.45 h weiter, wieder über die B 51 via Bitburg. Bei Brühl führte sie das Navi für ein paar km von der A 1 ab, was sich als gut erwies: gelegentlich fuhren sie parallel am Stau auf der Autobahn vorbei. Danach lief es wieder, auch beim Nadelöhr Köln/Leverkusen, das sie gegen 15.30 h passierten, voraussichtliche Ankunft in Unna war 16. 20 h.
Allerdings meldete das Navi kurz vor Wuppertal 5 km Stau bei Schwerte. Michael, der am Steuer saß, entschied sich kurzfristig, in Wuppertal-Nord auf die A 43 zu wechseln, wogegen Wolfgang es vorgezogen hätte, auf der A 1 zu bleiben. Denn er hielt die gemeldete Störung für einen reinen LKW-Stau, an dem man auf der linken oder mittleren Spur problemlos vorbeikomme. Dafür sprach, dass der entsprechende Stau in den WDR-Verkehrsnachrichten nicht vorkam. Zwischen beiden entspann sich eine eher grundsätzliche, im Ansatz philosophische Diskussion ähnlich der in ihrem Büchlein „Lautlos unterwegs“ S. 87 dargestellten in Bezug auf einen Stau in Lyon, bei dem sich die ursprüngliche Verzögerung von wenigen Minuten, die ein Abfahren doch nicht lohne, auf stattliche anderthalb Stunden ausgewachsen hatte. Michael neigt eher zu Um- oder gar Abfahren, gern auch auf Landstraßen, und zwar wegen der größeren Autonomie, man kann dort schließlich jederzeit drehen oder auf noch kleinere Straßen ausweichen, zur Not scheut er auch vor Feldwegen nicht zurück. Dagegen legt Wolfgang doch eher auf die kürzeste Fahrzeit Wert legt, und die, so auch sein alternativ zu Rate gezogenes Handy-Google-Map, werde – Stau hin oder her – auf der A 1 erzielt. Davon wenig beeindruckt, hielt Michael über die A 44 auf Dortmund, hatte aber – angesichts voll entwickelten Berufsverkehrs nur wenig überraschend –  Pech, als dort die B 1 schon ab DO-Zentrum zusaß. Unter fortlaufenden Gegenvorstellungen Wolfgangs nahm er nun auf innerstädtischen Straßen unbeirrt Kurs auf den alten Hellweg Richtung Flughafen. Auf dieser Strecke war zwar kein Stau im engeren Sinne, aber infolge von Ampelschaltungen, die den dort verkehrenden Straßenbahnen Vorrang einräumten, erzielte er eine stolze Durchschnitts-Geschwindigkeit von kaum 20 km/h, woraus eine satte Verzögerung von ca. 30 Minuten resultierte, das aber eben in voller Autonomie!!
So erreichten sie gegen 16.50 h Wolfgangs Haus, wo seine Liebste sie empfing mit einer wunderbaren Gemüsesuppe, in der sich auch noch Scheibchen von salsiccia al finocchio, einer groben italienischen Bratwurst mit Fenchelsaat, befanden – herrlich!
Schließlich verabschiedeten sich die Freunde, nicht ohne über ihre Nostalgie-Hybrid-Tour – wieder in der herzlichen Knappheit des Ruhrgebiets – ihr schon bewährtes Fazit zu ziehen: „War doch sehr nett gewesen!“


3. Experimental-Reise von Unna am östlichen Rand des Ruhrgebiets nach Barjac in Südfrankreich

Lautlos unterwegs 3.0


Tagebuch der 3. elektromobilen Reise von Unna nach Barjac/Gard vom 2. bis 11. Februar 2022

Teilnehmer: Wolfgang Papenberg und Michael Skirl
Fahrzeug: Tesla Model 3 Long Range Baujahr 2020

Die Experimental-Reise der Autoren mit dem E-Mobil von Unna im Ruhrgebiet nach Barjac im Departement Gard in Südfrankreich aus dem Sommer 2016, dokumentiert im Reisebericht „Lautlos unterwegs“ aus dem 3-Punkte-Verlag Duisburg 2016, liegt nun mehr als fünfeinhalb Jahre zurück. Wolfgang hatte damals eine weiße Zoé von Renault mit 22 kWh-Akku. Diese wurde später durch das Nachfolgemodell, eine bordeaux-rote Zoé mit 41 kWh-Akku (Erstzulassung 4/2017, Modell R90 mit 68 kW = 92 PS) ersetzt. Mit dieser war es zu  einer Wiederholung der Abenteuerreise gekommen, und zwar im Januar 2020, also ausdrücklich unter winterlichen Bedingungen; der Bericht darüber ist online weiter unten verfügbar.
Nicht zuletzt wegen der schlechten Erfahrungen mit der Winterreichweite und den unzuverlässigen öffentlichen Ladestationen hatte Wolfgang im Juni 2020 einen Tesla Model 3 Dual Motor Long Range erworben, Batteriekapazität 79 kWh, Leistung 366 kW = 500 PS, Höchstgeschwindigkeit 233 km/h.
Für konzeptionelle Vorüberlegungen blieb den Freunden diesmal nur wenig Zeit, weil sie sich sehr kurzfristig zu der nachfolgend geschilderten dritten Experimental-Reise entschlossen hatten, dies getreu der Hesse-Sentenz, die zu ihrem Motto geworden war: „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“ (siehe "Lautlos unterwegs", S. 9).
Die Ausgangslage hatte mit derjenigen des Projekts „Lautlos unterwegs 2.0“ im Januar 2020 lediglich den Umstand gemein, dass es sich wieder um eine Fahrt im Winter handelte, eine Jahreszeit, die es den Akkus ein
es E-Mobils bekanntermaßen nicht leicht macht.
Größer waren die Unterschiede in den Rahmenbedingungen jener Reise:
1. Das elektromobile Fahrzeug war eben nunmehr der o. g. Tesla.
2. Bei Schnelllade-Säulen, nämlich denjenigen des immer besser ausgebauten Tesla-Systems. ist nicht mehr, wie vor 2 Jahren, von Ladeleistungen mit 22 kW die Rede, sondern in der Spitze mit 150 kW oder gar – sog. V3-Lader – 250 kW.
3. Durch Wolfgangs Erfahrungen mit seinem Tesla seit über anderthalb Jahren standen funktionelle Zuverlässigkeit und absolute Einfachheit dieses Systems bei Ladung und Bezahlung schon vorher fest, dazu unten mehr.
So lag der Fokus des neuen Projekts auf Ermittlung und Erfahrung im Wortsinn, welche nennenswerten Unterschiede es zu Langstreckenfahrten mit Verbrennern noch gebe.
Weiterer äußerer Anlass, um nicht zu sagen: Vorwand, war für die Autoren diesmal die Sehnsucht nach Sonne, die sie im Ruhrgebiet seit Wochen vermisst hatten. Der Wetterbericht für Barjac hingegen versprach mindestens acht klare Sonnentage bei Temperaturen zwischen 1° und 16° C, vielleicht auch mehr.


Mittwoch, 2. Februar 2022
So machten sich die beiden Freunde sehr kurzfristig entschlossen zum wiederholten Male um 9.10 h bei heiterem (!!) Himmel in Unna auf den Weg ins gut 1000 km entfernte südfranzösi-sche Barjac.
Der Tesla wies bei einer Vollladung von 99 % bei 6° C eine Reichweite von 465 km auf.
Der Verkehr auf der A 1 war flüssig, auch wenn sich kurz hinter dem Westhofener Kreuz auf der rechten der 3 Spuren ein etliche Kilometer langer LKW-Stau gebildet hatte, wohl eine Folge des LKW-Überholverbots und der Sperrung der A 45 bei Lüdenscheid. Auch stellte sich im Bergischen Land schnell wieder Regen ein, einer der Gründe für die kurzfristige Reise. Selbst das Nadelöhr Leverkusener Kreuz passierten sie problemlos bei bedecktem Himmel, aber doch trockenem Wetter und 8° C.

Um 10.55 h erreichten sie das Ende der A 1 bei Blankenheim. Manchmal kam kurz die Sonne durch, überwiegend war es aber trüb, manchmal nieselte es bei 4° oder 5° C, in den Straßengräben der Eifel waren Schneereste zu sehen.
Gegen 11.15 h erhielt Wolfgang einen Anruf seines südfranzösischen Nachbarn, den er gebeten hatte, zur Temperierung seines Hauses den Strom einzuschalten: dies habe nicht funktioniert, der „disjoncteur“, Hauptschalter, halte nicht. So war die Hoffnung der Freunde auf ein vorgeheiztes Haus dahin, vielmehr drohte Ungemach mit französischen Handwerkern, zur Not hätte man ja noch Michaels nur 6 km entferntes, allerdings gleichfalls kaltes Haus als Alternative zur Verfügung.
Den angepeilten Tesla-Supercharger (im Folgenden: SC) bei einem Hotel in Münzbach/Luxem-burg erreichten sie um 12.24 h mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 89,2 km/h und 78 km Rest-Reichweite (im Folgenden: RRW), obwohl sie bis dort lediglich 290 km zurückgelegt hatten. Einmal erwies sich so, dass die Akku-Kapazität nicht nur dem Vortrieb dient, sondern auch allen anderen Verbrauchern im Tesla, d. h. im Winter insbesondere Fahrzeugheizung, Licht, Scheibenwischer usw. Ein nicht unerheblicher Stromverbrauch wird aber auch durch das von Tesla sog. Vorkonditionieren des Akkus verursacht: wenn man nicht an der normalen Wallbox langsam laden, sondern unterwegs die schnellen SC mit 150 oder 250 kW Ladeleistung nutzen will, muss der Fahrzeug-Akku darauf vorbereitet, d. h. insbesondere im Winter vorgeheizt werden, teilweise über eine Stunde lang, und zwar automatisch, sobald mit dem Navi ein SC angepeilt wird.
Der Tesla wurde wie immer schnell und denkbar einfach an einer freien Ladestation angeschlossen: Man nimmt lediglich das Ladekabel aus der Halterung der Station, drückt auf einen am Griff angedeuteten Knopf, der die Ladeklappe am Auto öffnet, verbindet den Stecker mit der Dose des Tesla, und schon beginnt selbsttätig der Ladevorgang. Dieser wird auf dem Display kontinuierlich angezeigt, so dass man permanent die hinzugewonnenen Kilometer ebenso wie die Restladedauer und die Kosten ablesen kann. Diese Informationen erscheinen auch in der Tesla-App des Handys des Besitzers, sodass man stets aktuell informiert ist, auch außerhalb des Wagens. Das Laden wird einfach mit dem Betätigen des o. g. Knopfsymbols beendet. Das Ladekabel kommt wieder in seine Halterung und die Ladeklappe schließt sich von selbst. Die Abrechnung geschieht automatisch über das Tesla-Netzwerk. D. h. man hat keine Probleme beim Freischalten der Ladesäule, muss keine Daten (z. B. Kreditkarte) eingeben und lädt stets zuverlässig und mit hoher Geschwindigkeit.
Nach einem guten Mittagsimbiss im Restaurant des Hotels, der auf Michael ging, konnten die Freunde um 13.20 h ihre Reise mit einer neuen RRW von 469 km fortsetzen. Kurz nach 14.00 h überquerten sie die Grenze zu doulce France, dem Land ihrer Sehnsüchte, und nahmen Kurs auf die von Michael reservierte Zwischenübernachtung im burgundischen Saint-Germain-du-Bois. In Höhe Nancy entschieden sie sich gegen die mautpflichtige A 31 über Langres und Dijon und für die Strecke über Epinal, Vesoul und Besançon, dem nächsten Ladehalt. Dieser Kurs nutzt zunächst die mautfreie N 57 und führt überwiegend, aber nicht durchgängig vierspurig durch die Vogesen, wo es bei neblig-trüben 9° C weiter nieselte; Wiesen und Felder waren noch weiß.
Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 88 km/h und 35 km RRW erreichten sie den vorgesehenen SC um 17.10 h und luden ein Reichweiten-Plus von 325 km für 21 € und brachen um 17.40 h in ein wolkiges, aber Hoffnung gebendes Abendrot auf.
Als schnellste Strecke zum Zwischenziel schlug das Navi für ca. 70 km die mautpflichtige A 36 Richtung Dijon zu nehmen und die restlichen ca. 40 km über Land zu fahren. So taten sie es und fuhren mit einer RRW von 239 km um 18.50 h bei 9° C in den Hof der „Hostellerie Bressane“, die in einem Schlösschen aus dem 17. Jahrhundert untergebracht ist. Michael hatte für sie jeweils eine „soirée étape“ gebucht, ein günstiges Angebot für Handlungsreisende: für jetzt je 80 €, im letzten November hatte Michael noch 73 € bezahlt, gibt es ein für französische Verhältnisse einfaches dreigängiges Abendessen ohne Auswahl, ein Einzelzimmer und das Frühstück am nächsten Morgen, und das in einem Hotel, dessen Küche dem Guide Michelin noch vor kurzem einen sog. Bib wert war.
Nach einem halbstündigen Nickerchen ging es um 19.30 h zum Abendessen. Zum Apéro entschied sich Michael für Bier vom Fass, Wolfgang dagegen für den apéro maison, ein mit Sekt aufgegossener Likör von Weichselkirschen. Vom Haus gab es dazu ein Löffelchen sehr leckerer Entenleber-Mousse und ein paar Oliven, danach als „amuse bouche“, also als Gruß aus der Küche eine velouté aux poireaux, ein Lauchcreme-Süppchen im Glas. Die eigentliche Vorspeise bestand aus einer wohlschmeckenden Crème vom geräucherten Hering auf einem Salat aus Chinakohl und Staudensellerie. Als Hauptgang sah das gebuchte Fix-Menu einen im eigenen Saft geschmorten Entenschenkel auf Blattspinat vor. Zum Nachtisch entschieden sich beide für eine kleine Käseauswahl, hier wäre auch eine süße Alternative möglich gewesen. Sie waren sich einig, dass die Speisen in einem ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis standen, denn bei dem o. g. günstigen Gesamtpreis sind für das Menu kaum 20 € zu veranschlagen.
Anders die Weinkarte: angesichts der Preise für Flaschenweine – nur wenige unter 40 € -- nahmen sie als Tischwein je zwei Gläser verschiedener roter Burgunder, die zwar gut und großzügig eingeschenkt, aber mit 7,50 € bzw. 8,50 € für je 0,15 l auch nicht gerade billig waren. Im Bewusstsein, mal wieder nach echt französischer Lebensart gut gegessen und getrunken zu haben, gingen die Freunde zeitig, nämlich gegen 22.00 h, auf ihre Zimmer.


Donnerstag, 3. Februar 2022

Nach gutem Frühstück gegen 8.00 h, u. a. mit frisch gepresstem Orangensaft und Spiegel-, Rühr- oder gekochtem Ei nach Wahl, starteten sie um 8.50 h mit 230 km RRW bei 6° C und bedecktem Himmel und trockener Fahrbahn. Auf der A 39 Richtung Bourg-en-Bresse/Lyon, einer Alternative zur oft belasteten Nord-Süd-Verbindung A 31/A6 über Dijon, war wie fast immer sehr wenig Verkehr. Auf der Raststätte mit dem schönen Namen „Poulet de Bresse“, Bresse-Hähnchen, suchten sie länger nach dem SC, er fand sich schließlich hinter dem Tankstellen-Kiosk. Mit einer RRW von 155 km begann um 9.25 h die Ladung, die allerdings nach kurzem unter 100 kW fiel, wohl weil nach der kalten Nacht die Zeit zur Vorkonditionierung der Akkus nicht ausgereicht hatte. Bei nur noch 81 kW Ladeleistung brachen sie den Vorgang um 9.45 h mit einer neuen RRW von 331 km ab.
Gegen 10.00 h hellte sich der Himmel über Lyon bei 11° C langsam auf, kurze Zeit später zeigte sich die tiefstehende Februarsonne vollends, nur zu gern benutzten die Freunde die Sonnenblenden.
Um 11.06 h erreichten sie mit 133 km RRW den SC Vienne im Süden Lyons, wieder gelegen an einem Hotel wenige Hundert Meter von der Autobahn entfernt. Ganz anders als der vorige lud dieses Gerät mit anfänglich 140 kW, später mit 125 kW, so dass sie den Ladevorgang schon nach 15 Minuten beenden konnten, weil die erreichte RRW von 314 km für 12 € problemlos bis zum Ziel der Reise reichen würde.
Um 12.40 h verließen sie bei sonnigen 13° C die A 7 in Montélimar-Süd mit 160 km RRW. Auf einer kurvenreichen Strecke über Pierrelatte und Bourg-Saint-Andéol erreichten sie Barjac
um 13.50 h mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 72 km/h bei 14° C und Sonnenschein.
Nach kurzem Ausladen ihres Gepäcks rief Wolfgang beim „dépannage EDF“, dem Stromversorger-Notdienst, an, weil nach eigenen Betätigungsversuchen für beide Freunde feststand, dass der Hauptschalter einen mechanischen Defekt hatte. Die entsprechende Telefonnummer hatte die freundliche Nachbarin herausgesucht. Der Anruf, den sie praktisch beide führten, gestaltete sich dadurch schwierig, dass zunächst eine Menge digitaler Kommunikation stattfand: wenn Sie Fragen zu Ihrer Rechnung haben, drücken Sie die 1 usw.; u.a. wurde zur örtlichen Eingrenzung die Postleitzahl erfragt. Nach gefühlt endlosen Minuten meldete sich endlich ein Mensch, der aber auch erst viele Fragen stellte, z. B. nach der Nummer des Handys, mit dem man gerade telefonierte, der schließlich aber zusagte, dass ein „dépanneur dès que possible“, ein Monteur so bald wie möglich noch an diesem Nachmittag kommen werde. Tatsächlich meldete sich bald ein Techniker telefonisch mit dem Hinweis, in 13 Minuten werde er da sein. So war es auch, und nach einer Viertelstunde hatte er den alten disjoncteur, der, wie er uns stolz zeigte, aus dem Jahr 1995 stammte, ausgetauscht.
Gegen 16.00 h floss wieder Strom, und die elektrisch betriebenen Heizkörper übernahmen die weitere Erwärmung des Hauses von den anfänglich gemessenen 7° C, wohlgemerkt im Haus, so dass der Durchzug, den sie zum Austausch der abgestandenen Luft gemacht hatten, auch die ersten Wärmegrade von außen mit sich brachte, unterstützt auch noch vom Kaminofen, den Michael schon vorher angezündet hatte, was er auch in den kommenden Tagen übernehmen würde.
So drängte sich auf, erst mal zu Michaels Häuschen zu fahren, das in einem nur 6 km entfern-ten Dorf, allerdings schon im Département Ardèche liegt. Denn nach ihm sehen und vor allem seinen dort untergestellten Renault R 4 aus dem Baujahr 1987 aktivieren, das wollte er schon, allerdings hatte er auch diesmal wieder Wolfgangs freundliche Einladung angenommen, mit ihm in dessen Haus zu wohnen, schon um nicht für ein paar Tage zwei Häuser aufheizen zu müssen.
Dank erst kürzlich erneuerter Batterie sprang das Kult-Autochen auch nach teils bis zu -5° C nachtkalten drei Monaten spontan an, Michaels dann folgendes Fahrerlebnis mit der automobilen Technik der 1960er Jahre ein krasser Gegensatz zur HighTech-Anreise im Tesla. Mit beiden Autos ging es dann zurück nach Barjac, um im Supermarkt „Carrefour“ und der „Coopérative“, der örtlichen Winzergenossenschaft, die ersten Einkäufe zu tätigen.
Als abendliche Vorspeise gab es kleine in Olivenöl eingelegte Paprikaschoten, noch aus Beständen aus Michaels Ferienhaus, als Hauptgang eine leicht abgewandelte – natürlich selbst gekochte, Michael kocht gern – Sauce bolognese, Rezept s. Anhang 1, mit Spaghetti.
Zum Abend hatten die Elektroheizung, die wegen der niedrigen Atom-Strompreise -- Michael zahlt 12 Cent pro kWh, Wolfgang bei einem lokalen Eco-Strom-Anbieter 20 Cent (Tagstrom) und 16 Cent (Nachtstrom) –  in Frankreich weit verbreitet ist, und natürlich wieder der Kaminofen mit vereinten Kräften jedenfalls im Wohn- und Essbereich annehmbare Temperaturen von 18/19° C geschafft; dies galt natürlich nur für die Raumluft, die gesamte Einrichtung, jedes Möbel, jedes Geschirr würde noch 2 bis 3 Tage brauchen.


Freitag, 4. Februar 2022
Gegen 8.00 h gab es ein von Wolfgang zubereitetes Frühstücks-Müsli, dazu ebenso sorgfältig produzierte Kaffeezubereitungen. So gestärkt ging es, nachdem sich die Morgennebel verflüchtigt hatten, bei strahlendem Sonnenschein und 9° C schon gegen 9.00 h auf den nur wenige Hundert Meter entfernten Wochenmarkt, der von der Händlerseite her erstaunlich vollständig bestückt war, für die Jahreszeit keine Selbstverständlichkeit. Die Zahl der Marktgänger blieb überschaubar, was den Freunden angesichts der 3000er Inzidenzen in Frankreich nur recht war. Die durch entsprechende Aushänge an den Marktzugängen angeordnete Maskenpflicht wurde von vielleicht zwei Dritteln der Besucher befolgt.
Zu Wolfgangs großer Freude war auch M. Cochennec, sein Lieblings-Bio-Honig-Lieferant mit seinem Stand anwesend, bei dem er für sich und einige Freunde Großeinkäufe tätigte, ebenso an einem anderen Stand 2 kg zertifizierte Bio-Walnüsse für erstaunlich günstige 13 €. Angesichts ihres Gewichts brachten sie diese Einkäufe erst mal nach Hause, um dann einen zweiten unbeschwerten Marktgang folgen zu lassen. Jetzt erstand Michael getrocknete Steinpilze und entsprechendes Wurzelwerk für ein abendliches Pilzrisotto sowie einen Frisée-Salatkopf. Dessen Bleichvorgang, nämlich in ganz natürlicher Weise auf dem Feld, wodurch seine Bitterkeit reduziert werde, ließ sich Michael nur zu gern von der sehr charmanten Bio-Bäuerin erklären, und beide Freunde hörten auch sehr gern noch ein zweites Mal auf Deutsch zu, weil diese Prinzessin der Salate nämlich aus der Schweiz stammte. An weiteren Ständen kauften sie noch ein paar Stücke Käse und einen halben „saucisson extra maigre“, wir würden sagen: eine fettverminderte Schinken-Salami.
Gegen 12.30 h wieder zu Hause, gönnten sie sich ein zweites Frühstück, eher schon einen Brunch. Nach einer Siesta während der im Süden üblichen langen Mittagspause allen Gewerbes ging es mit Michaels R 4, der sich durch 2 Handgriffe in einen kleinen Kombi verwandeln lässt, zum örtlichen Brennholzhändler, um „un demi ster de bois de chauffage“, einen halben Ster Kaminholz für 39 € bei 50 cm Länge der Scheite, zu erwerben und heimzuholen. Währenddessen stillte der Tesla an einer der beiden örtlichen Wechselstrom-Ladesäulen mit den dann maximal möglichen 11 kW (= 71 Km Reichweite pro Ladestunde !!) seinen Energiedurst. Beim „traiteur“, einem Metzger, der neben dem klassischen Sortiment auch viele schon zubereitete Delikatessen anbietet, erstand Michael neben „poitrine fumée“, wir würden sagen: Räucherspeck, eine Entenleber-Terrine, unter Zurückstellung von Bedenken ebenso köstlich zum Mittagsimbiss wie als Vorspeise mit ein paar „cornichons“, Gürkchen, und Oliven.
Der Abend wurde eingeläutet durch ein süffiges Bier der belgischen Brauerei Leffe, das Michaels Vorbehalte gegen die Gerstensäfte unserer westlichen Nachbarn überzeugend widerlegte. Der zunächst nur als Vorspeise gedachte Frisée-Salat mutierte auf Wolfgangs Wunsch unversehens zur Hauptspeise, s. Anhang 2, es mundete!
Dazu gab es den schon angebrochenen Weißwein aus Wolfgangs Beständen, einem Viognier mit Namen „séduction“, Verführung, ihres Lieblings-Winzers Jouve, im Eichenholzfass ausgebaut, schon ein köstlicher Tropfen. Den Abschluss bildete die vormittags erstandene Käseauswahl: ein mittelalter Comté und ein junger Morbier, beide aus dem Jura, und ein „Fleurs des Lacs“, ein mit Wein und Wiesenkräutern aromatisierter Frischkäse aus Burgund; die für die Region typischen Ziegen- und Schafskäse sollten erst auf einem der nächsten Märkte erstanden werden. Zum Käsegang wechselte Michael zum roten Merlot aus der Coopérative, wogegen Wolfgang beim Viognier blieb.
Diese abendlichen Genüsse, vor allem der exzellente Weiße, versetzte die Freunde in Hochstimmung und löste die Zungen, und sie saßen noch bis Mitternacht beisammen, nur unterbrochen durch die Anrufe bei den Liebsten daheim.


Samstag, 5. Februar 2022
Schon zum Frühstück gegen 9.00 h machte sich der Mistral bemerkbar, ein für den Süden Frankreichs typischer kühler Wind aus den Alpen, der ab Lyon das Rhônetal hinunterfegt und für den berühmten blitzblauen Himmel der Provence sorgt. Während Michael ihn wegen seiner trockenen, klaren und meist relativ kühlen Luft und der hervorragenden Fernsicht schätzt, mögen ihn die Einheimischen gar nicht, in historischer Zeit galt er zusammen mit dem Hochwasser der Durance und dem Parlament (!!) von Aix als eine der drei Geißeln der Provence.
An diesem Tag sollte es etwa 45 km weiter in den Süden gehen, nach Uzès, der Hauptstadt des „premier duché de France“, des ersten Herzogtums Frankreichs. Diesem liegt der bedeutende Aufstieg der örtlichen Adelsfamilie zugrunde: die Herren von Uzès wurden 1329 „vicomtes“, Vizegrafen, 1565 Herzöge und 1572 Pairs von Frankreich, sozusagen die ersten unter Gleichen. Die Nachkommen der Familie de Crussol d‘Uzès residieren noch heute in dem bemerkenswerten Stadtschloss mittelalterlichen Ursprungs mit späteren An- und Umbauten. Ein anderes Wahrzeichen ist die „tour fénestrelle“ (etwa: befensterter Turm) der Pfarrkirche St. Théodorit, bis zur Säkularisierung 1801 Bischofssitzkathedrale; einem kunsthistorischen Laien erscheint das Bauwerk als senkrechte Kopie des Schiefen Turms von Pisa.
Der Kern des schmucken Städtchens von knapp zehntausend Einwohnern weist durchweg historische Bausubstanz aus Renaissance und Barock auf, in deren Erhalt in den letzten 20 Jahren, die die beiden Freunde überblicken, viel investiert worden ist. Kleine Mode- und Designboutiquen locken zahlungskräftige Besucher, auch die Pariser Schickeria, mit dem TGV („Train Grand‘ Vitesse“, unserem ICE vergleichbar) in kaum 3 h in Avignon und in 30 Busminuten dort, macht gern einen Abstecher dorthin. Größter Publikumsmagnet aber ist der Wochenmarkt auf der platanenbestandenen „Place aux Herbes“, dem Platz der Kräuter, der als einer der schönsten Marktplätze ganz Südfrankreichs gilt. Mittwochs gibt‘s den kleineren „marché des producteurs“, den Bauernmarkt, samstags einen größeren, um Non-Food-Stände ergänzten, der in der touristischen Saison – Ostern, Pfingsten, Juli/August – schnell überlaufen ist.
Auf dem Hinweg verschwenkten die beiden Freunde ein wenig nach Westen, um beim Weingut Chabrier in Bourdic ein paar Kartons Wein zu kaufen. In Uzès angekommen, war auch an diesem Tag lebhafter Betrieb, an manchen Engstellen knäulte es sich regelrecht, so dass sie froh über ihre FFP2-Masken waren. Nach ein paar Einkäufen und zum Ende des Flanierens hätte nun z. B. ein „café gourmand“, ein Cappuccino mit etwas Feingebäck angestanden. Weil aber am Rande der Place aux Herbes nur eine der 4 oder 5 Außengastronomien geöffnet war und diese, ebenso wie die wenigen in Betrieb befindlichen an der den Altstadtkern umgebenden Ringstraße angesichts herrlichen Sonnenscheins und milder Temperaturen um 17-18° C völlig überlaufen waren, scheiterte dies. Zudem – es war schon nach 12.30 h – hatten die Wirte durch entsprechendes Eindecken der Tische signalisiert, dass sie lieber Gäste zum Mittagessen hätten. Zurück in Barjac, übrigens auch ein Ort mit durchaus sehenswerter Renaissance-Architektur, kam der Tesla wieder an die öffentliche Ladesäule, neben ein winziges E-Auto von Citroën, quasi ein motorisierter Einkaufswagen.
Nach einem Mittagsimbiss und einer – bei Wolfgang ausführlichen – Siesta standen einige Umräumarbeiten im Haus an, 2 Doppelbetten sollten die Zimmer tauschen. Zum Glück waren beide Rahmen aus Weichholz, so dass weniger ihr Gewicht, sondern eher ihre Sperrigkeit das Problem waren; zu zweit gelang es aber doch ganz gut. Allerdings war es spät geworden, so dass Michael, der Koch der beiden, die Zubereitung der als Vorspeise gedachten Guacamole auf den nächsten Tag verschob und sich gleich an das Steinpilzrisotto mit gebratenem Lachsfilet begab, s. Anhang 3. Dazu gab es wieder den weißen Viognier von Jouve zu trinken, in dem zuvor auch die Pilze gebadet hatten, insgesamt eine runde Sache. Zum Nachtisch folgte wie gehabt die Käseauswahl, und auch sonst waren die abendlichen Rituale wie die Anrufe bei den Liebsten dieselben.


Sonntag, 6. Februar 2022
Nach kalter Nacht – auf der geschützten Terrasse waren es um 9.00 h erst 3 °C, draußen in den Feldern wohl noch leichter Frost – schien wieder die Sonne vom nahezu wolkenlosen Himmel. Nach knappem Frühstück stand auf Michaels Einladung ein Mittagessen an im vegetarischen Restaurant Café Plein Sud der südfranzösischen Freunde Dominique und Peter in Bessas -- vgl. „Lautlos unterwegs“ S. 62 –, das jetzt keine Gästezimmer mehr bietet und seine vorzügliche Küche im Augenblick nur Samstagabends und Sonntagsmittags öffnet.
Als Gruß aus dieser und zugleich als Vorspeise gab es Nem-Rollen aus hauchdünnem Teig, gefüllt mit knackigem Salat, feinen Streifen rohen Gemüses und viel frischem Koriander, dazu eine Schalotten-Butter mit knusprigem Brot. Zum Hauptgang für eigentlich viel zu günstige 15 € hatten sich beide Freunde für japanische Ravioli mit Wok-Gemüse und Reis entschieden, beides gleichermaßen köstlich, und wie jedes Mal: selbst dem Fleisch-Freund Michael fehlen tierische Produkte bei dieser Qualität der Speisen nicht!
Zu einem Schwätzchen mit Dominique und Peter kam es diesmal leider nicht, eine Geburtstagsfeier und weitere Gäste hielten die beiden, die das Restaurant ohne Hilfe Dritter betreiben, ganz schön auf Trab, ein schöner Erfolg, der schon seit Jahren anhält.
Dann ging es ca. 20 km weiter südwestlich nach Gagnières, wo auf dem Mas du Pommier, dem Apfelbaum-Gutshof, Maria und Markus, deutsche Freunde, dauerhaft leben und dort schöne Ferienwohnungen vermieten. In einem Nebengebäude des großen Hofes hat Maria mehrere Webstühle in Betrieb und gibt auch Kurse in dieser alten Kulturtechnik.
Mit ihr und Rocky, dem im Moment bei ihnen lebenden Hund ihrer Tochter, sollte ein neues System von Wanderwegen erkundet werden: einige aufgegebene Eisenbahntrassen im Zusammenhang mit dem früheren Erz- und Kohlebergbau der Region werden schon seit einiger Zeit als Wander- und Radwege hergerichtet, wegen der zahlreichen Tunnel in der hügeligen Landschaft durchaus aufwändig, aber im Hinblick auf die geringen Steigungen gerade für Radfahrer sehr interessant.
Mit freundlichem Zubringerdienst – Markus brachte seine Frau und die beiden Freunde mit dem Auto nahe an die Trasse heran – absolvierten sie die Strecke von Gagnières über St. Paul-le-Jeune, wo die Bahntrasse mit Doppelhäusern überbaut ist und der Weg über Ortsstraßen führt, bis an den Rand des Gemeindegebiets von Banne, also in nördlicher Richtung. Dabei passierten sie zwei Tunnel von 900 und 700 m Länge, die über Bewegungsmelder bedarfsgerecht beleuchtet werden. Schon vor deren erstem Portal überquerten sie die Grenze zwischen den Départements Gard und Ardèche. Normalerweise sind diese Kreisgrenzen wie bei uns kaum wahrnehmbar, hier aber doch: die Herrichtung des Wegs im südlich gelegenen Gard war auf das Nötigste beschränkt, ein manchmal holpriger Schotterweg, eher für VTTs (Vélos Tout Terrain, wir nennen sie Mountainbikes) geeignet, in der Ardèche dagegen feinster neuer Asphalt, auch sonst alles viel aufwändiger, z. B. die Beschilderung. Michael, der gern von sich sagt, er beziehe wesentliche Teile seines Weltbilds aus den Werken von Matthias Koeppel – vgl. „Lautlos unterwegs“ 2.0, S. 7 –, F.K. Waechter und Goscinny/Uderzo, erinnerte dies sehr an den Band XVI „Asterix bei den Schweizern“ (z. B. S. 21), wo die Verhältnisse an der französisch-schweizerischen Grenze ähnlich dargestellt werden.
Gerade im ersten Streckenteil waren – es war ja Sonntagsnachmittag und schönes Wetter – viele Familien mit Kindern unterwegs, teils zu Fuß, teils auf Rädern. Nach exakt 6,1 km, so Wolfgangs Wander-App, erreichten sie das Anwesen einer Freundin Marias, wo sie nach einer Erfrischung und einem kurzen Schwätzchen vom freundlichen Markus wieder abgeholt wurden.
Auf dem Weg zurück nach Barjac hielten die beiden Freunde unterwegs zweimal an, um einen surreal schönen Abendhimmel zu bewundern: von der untergehenden Sonne scheinbar von unten beleuchtet, zogen dramatische Wolkenformationen wie flüssige, langsam erkaltende Lava über den Himmel, von einem grellen Gelb über intensives Orange bis zu einem Glutrot – ein seltenes Naturschauspiel, wie auf einem Gemälde von Caspar David Friedrich!
Zum Abendessen bereitete Michael die „verschobene“ Guacamole, s. Anhang 4.  Diese Avocado-Crème auf frisch aufgebackenem Baguette mit ein paar Scheibchen der köstlichen Entenleber vom Traiteur bildete die Vorspeise. Danach gab es die zweite Hälfte der Bolognese vom Donnerstag, wieder mit Spaghetti. Dazu hatte Michael eine Flasche roten Merlots von Chabrier aufgezogen, einen seiner absoluten Lieblingsweine, der auch zur abschließenden Käseplatte bestens mundete.
Nach den abendlichen Anrufen bei den Liebsten gingen die Freunde gegen 22.45 h zu Bett.


Montag, 7. Februar 2022
Dieser Tag stand ganz im Zeichen von Wolfgangs Teilnahme an einem Online-Seminartag seines Unternehmens PART-Training GmbH, einem professionellen Trainingsprogramm zur Vermittlung von Deeskalationstechniken, z. B. in Psychiatrie, Kinder- und Altenheimen.
Währenddessen fuhr Michael mit seiner „quatrelle“, so heißen die R 4 im Französischen, zu seiner Versicherungsagentur ins 18 km südwestlich gelegene St. Ambroix und erledigte dort auch einige andere Besorgungen und Einkäufe.
Zum Abendessen hatte sich Wolfgang sozusagen als Kontrastprogramm zur mediterranen Kost einen Linseneintopf mit Mettwurst gewünscht. Letzteres stellte für Michael eine Herausforderung dar, denn geräucherte Mettwürste sind in Frankreich eher unbekannt, erst recht in Südfrankreich. Das einzige entfernt ähnliche Produkt heißt „saucisse de Montbéliard“, letzteres eine Stadt im ostfranzösischen Jura nahe Belfort. Schon beim zweiten Versuch, nämlich in der gut sortierten Feinkostabteilung eines größeren Supermarkts der Kette Carrefour, gelang es Michael, solche zu finden.
Wieder zurück in Barjac, machte sich Michael an die Zubereitung des Linseneintopfs, s. Anhang 5, der beiden schmeckte und dessen 2. Hälfte sie für den letzten Abend vor der Abreise kühl stellten. Zum Essen gab es alkoholfreies Heineken-Bier, zur nachfolgenden Käseplatte eine Karaffe des roten Merlots.


Dienstag, 8. Februar 2022
Sie frühstückten zeitig, u.a. mit dem Raspaillou, einem Bio-Baguette aus örtlich angebauten Getreiden, das Wolfgang zusammen mit dem „Midi Libre“, der regionalen Tageszeitung, bei der Bäckerin Laetitia gekauft hatte. Nachdem Michael vergeblich versucht hatte, telefonisch den Schrauber für einige zu richtende Kleinigkeiten an seinem R 4 zu erreichen, hatte auch er keinen weiteren Vorwand mehr, es ging es angesichts des weiterhin strahlenden Sonnenscheins und angenehmer Temperaturen, so wie am Sonntag abgesprochen, wieder nach Gagnières, um mit Maria und Rocky eine weitere Wanderung zu unternehmen. Ziel waren diesmal Wanderwege im ein paar Kilometer nördlich gelegenen ehemaligen Bergbaugebiet „Bois des Bartres“. Ihr Ausgangspunkt lag unterhalb des hochgelegenen Weilers Le Frigolet westlich von St.Paul-le-Jeune, wohin sie wieder Markus brachte. Auf der ebenen Trasse einer Kleineisenbahn ging es ca. 2 Km bis zu einer besonderen Sehenswürdigkeit, dem Viaduc de Doulovy, das seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die von Pferden gezogenen kleinen Loren aus zahlreichen Stollen bündelte und der Kleinbahn zuführte, die, wie einer der zahlreichen Info-Tafeln zu entnehmen war, von Lokomotiven aus deutscher Produktion bewegt wurden. Heute bildet das gut 200 m lange, etwa 1,4 m breite und ca. 40 m hohe Viadukt den Zugang zu einem System von 3 unterschiedlich langen Rundwanderwegen mit Namen „sentier des mines“, Bergwerksweg, die gut ausgeschildert durch hohe Kiefernwälder an alten Stolleneingängen, Baracken- und Werkstattruinen vorbeiführen. Eine Vielzahl von Tafeln, Schildern und auch Reproduktionen alter Fotos von Mannschaften offenbaren sehr anschaulich den Charakter der hier betriebenen Aktivitäten als Kleinbergbau, also im Wesentlichen mit Spitzhacke, Schaufel und viel Muskelkraft.
Unsere Wanderer entschieden sich für die mittlere Variante von 1,8 km, für die 1 h Dauer ausgeschildert war. Sie erkannten bald den Grund für die geringe Geschwindigkeit: ein enger, manchmal holpriger Waldweg mit einigen steilen Anstiegs- und Gefällstrecken, die Trittsicherheit und ordentliches Schuhwerk erforderten, und immer wieder kleine ausgeschilderte Abzweige rechts oder links des Wegs zu weiteren Baudenkmälern. Manchmal galt es auch, trotz der langen Trockenheit kleine Rinnsale oder Quellen zu überqueren oder größere Wasserlachen zu umrunden, an denen insbesondere Rocky seine Freude hatte, insgesamt interessant, abwechslungsreich und auch sehr informativ.
Am Ende des Rundwegs überquerten sie das Viadukt in Gegenrichtung und trafen hier erstmals auf andere Besucher, eine Wandergruppe. Nach ein paar Hundert Metern verließen sie die Kleinbahntrasse nach rechts in Richtung Chavagnac, um so nach ca. 3 sich dann doch ziehenden Kilometern zu Fuß den Mas du Pommier, den Wohnsitz von Maria und Markus, zu erreichen. Wolfgangs Wander-App wies erstaunliche 9,9 km in 3 h 20 min aus, insgesamt eine sehr schöne abwechslungsreiche Wanderung in bester Stimmung.
Auf der hoch gelegenen Terrasse tranken sie in herrlichem Sonnenschein viel frisches Wasser und nahmen gern einen improvisierten Imbiss, u.a. mit selbst gebackenem Vollkornbrot, noch ein wenig warm, weil frisch aus dem Ofen, und einer kleinen Käseauswahl. Auf Wolfgangs Frage nach gewebten Erzeugnissen, er hatte wohl einen entsprechenden Auftrag von daheim, präsentierte sie wunderschöne Geschirrtücher, zum schnöden Abtrocknen eigentlich viel zu schade, um so klarer, dass die beiden Freunde welche für ihre Liebsten zu Hause erwarben.
Über das schmale am Mas vorbeiführende Landsträßchen brachte der Tesla die zwei Freunde ins ca. 14 km entfernte Les Vans, wo sie für ihr Abendessen auf Wolfgangs Wunsch im Supermarkt Brokkoli und Kartoffeln, auf Michaels Vorschlag dazu Lammfleisch einkauften, letzteres ohne jedes Bedenken, weil die Qualität frischer Lebensmittel, insbesondere des Fleischs, in den meisten französischen Supermärkten deutlich besser ist als in Deutschland; Fleischpreise von unter 10 €/kg sucht man hier allerdings meist auch vergeblich.
Wieder in Barjac gab es als Apéro ein Bier, und als Vorspeise kosteten die Freunde lediglich das kürzlich erstandene kostbare (12,50 € für 250 ml) örtliche Olivenöl auf ein paar getoasteten Raspaillou-Scheibchen, einfach, aber – oder gerade deswegen – sehr gut!
Ihr Hauptgang bestand aus Brokkoli mit gehackten Walnüssen, Bratkartoffeln und rosig gebratenem Lammfleisch, s. Anhang 6. Dazu gab es wieder von Michaels Lieblingsrotem, danach – der/die Leser/in ahnt es schon – ein wenig Käse und noch ein paar „pruneaux d‘Agen“, Trockenpflaumen in Armagnac, eine Spezialität aus Südwesten.
Mit auf diese Weise schmackhaft wieder aufgefüllten Energiespeichern gingen sie voller interessanter neuer Eindrücke zeitig, nämlich gegen 22.15 h zu Bett, dies auch der langen Bewegung in frischer Luft geschuldet.


Mittwoch, 9. Februar 2022
Nach frostiger Nacht schien wieder von morgens an die Sonne. Dieses durchweg trockene, meist sehr sonnige Wetter, oft mit kräftigem, die Böden weiter austrocknendem Mistral, war natürlich ganz im Sinne der Kurzurlauber. Die Einheimischen, so auch Maria und Markus, sahen dies gründlich anders: seit November habe es, von einem nieseligen Tag im Dezember abgesehen, nicht mehr geregnet, schlechte Aussichten für die diesjährige Vegetationsperiode.
Der Tag stand schon ein wenig im Zeichen der für den nächsten Tag vorgesehenen Rückfahrt, für die Wolfgang ihr Lieblingshotel Burnel in Rouvres-en-Xaintois/Lothringen gebucht, das noch eine Überraschung für sie bereithalten sollte. Nach dem Frühstück waren Banalitäten wie Aufräumen, Staubsaugen und Müllentsorgung angesagt, wichtiger schon, die Akkus des Teslas aufzuladen.
Gegen 13.00 h gab es als Mittagsessen ein Resteessen. Am Nachmittag, es zog sich bei 12° C zu, blieb aber trocken, wurde Michaels R 4 wieder in seine Garage gebracht und sein Haus, in dem eine Temperatur von 9° C herrschte, verriegelt. Wolfgangs Unternehmen hatte für den Nachmittag kurzfristig nochmal eine Online-Konferenz vorgesehen, weswegen der eigentlich bei Dominique und Peter, den vegetarischen Restaurateuren, vorgesehene Abschiedsschwatz ausfallen musste.
Zurück in Barjac, kaufte Michael, einer Idee für eine Vorspeise folgend, noch eine Fenchelknolle und eine Dose Ölsardinen in Olivenöl, s. Anhang 7.
In der Dämmerung holte Wolfgang den Tesla vors Haus, um schon mal einen Teil des Gepäcks und insbesondere etliche Weinkartons einzuladen. Angesichts der Straßenbreite von nicht viel über 2,50 m kann er längere Zeit dort nicht stehen.
Gegen 18.30 h gab es den Apéro, bestehend aus Oliven, Saucisson und Bier, während der Rest-Linseneintopf schon mal ganz sachte erwärmt wurde.
Nach der Vorspeise war auch der Linseneintopf war so, wie sein sollte. Der Rest der Käseplatte wurde, da sich ein entsprechender Appetit nicht einstellen wollte, zum Reiseproviant umgewidmet, etwas Süßes, nämlich je zwei „pruneaux d‘Agen“, ging aber doch noch.
Mit der für diesmal letzten Flasche Rotwein überbrückten die Freunde die Dauer des letzten Spülmaschinenprogramms, bis sie, telefonisch geherzt durch die Liebsten in Deutschland, gegen 22.00 h schlafen gingen.


Donnerstag, 10. Februar 2022
Trotz frühen Aufstehens kamen sie, der Tesla wies eine Reichweite von 474 km auf, doch erst eine Stunde später als geplant, nämlich gegen 11.00 h, los, bei wolkenlosem Himmel und 10° C und eher feuchter Luft, denn der Wind hatte nach Michaels Wahrnehmung auf Süd gedreht. 20 Minuten später legten sie beim Weingut Jouve mit Namen „La Cathérinette“, das Kathrinchen, einen Zwischenstopp ein, um Wein für den heimischen Keller mitzunehmen.
Kurz hinter der Rhône-Überquerung bei Bourg-St. Andéol hielten sie nicht wie auf dem Hinweg auf Pierrelatte, sondern ließen sich von den Hinweisschildern zur A 7 leiten, die über die
D 458 und die N 7 knapp unterhalb von La Garde-Adhémar zur Auffahrt Montélimar-Süd führten, die sie mit 412 km RRW um 12.11 h erreichten. Sie trafen auf lebhaften, aber flüssigen Verkehr mit vielen LKW und kaum ausländischen PKW. Die nach Norden zeigenden Dampffahnen des AKW Tricastin bestätigte Michaels Vermutung betreffend die geänderte Windrichtung, so dass sie sich über leichten Rückenwind freuen konnten.
Statt des ursprünglich vom Navi des Tesla vorgesehenen SC in Macon schon deutlich nördlich von Lyon zogen die Reisenden im Hinblick auf eine Mittagspause einen näher gelegenen vor, nämlich den in Lyon-Dardilly, ein sog. V3- Lader mit 250 kW Ladeleistung, den sie nach glatter Durchquerung des Nadelöhrs Lyons um 13.50 h mit 188 km RRW erreichten. Die Anfahrt dorthin ist auf den letzten Metern nicht leicht, man sollte direkt hinter der Tankstelle der Ausschilderung „Novotel“ folgen, sonst landet man auf einem Campingplatz.
Nach einem Capuccino für Wolfgang in der Hotelbar nahmen sie bei 19° C in der Sonne Michaels Kniften und O-Saft zu sich, um nach 35 Lade-Minuten für 16 € über eine neue Reichweite von 446 km zu verfügen, mehr als genug für die 343 Km bis zur Zwischenübernachtung. Während ihres Imbisses fuhr ein französisches Paar mit einem 5er Verbrenner-BMW in den Tesla-Ladebereich. Die Frau sprach die Freunde sehr freundlich an, es ergab sich ein kurzer Plausch: sie beneide sie um den Tesla; man habe selbst ein solches Model 3 bestellt, mit Liefertermin leider erst im August. Bis dahin übe man schon mal den E-Lade-Rhythmus und mache alle 3 h eine Kaffee- oder Imbisspause – sehr sympathisch!
Bei weiterhin sehr lebhaftem, aber flüssigem Verkehr auf der A 6 gönnte sich Michael einen kurzen Schlummer, um danach festzustellen, dass sich der Himmel nach Norden hin zugezogen hatte, bei 14° C. In ihrem Rücken schien weiterhin die südliche Sonne.
Um 15.40 h überließ Wolfgang Michael das Steuer, um seinerseits etwas zu „rekuperieren“. Gegen 16.45 h erreichten sie bei bedecktem Himmel und 8° C das 400 – 500 m hoch gelegene Plateau von Langres mit 151 km RRW, bis zum Tagesziel Rouvres zeigte das Navi noch 97 km.
Dort kamen sie um 17.50 h mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 103,8 km/h und 43 km RRW an und schlossen den Tesla gleich an die hoteleigene kostenlose 3,7 kW-Ladesäule an; sein System wies 20 h 20 min bis zur vollständigen Ladung aus.
Schon auf den letzten km hatte Wolfgang auf der Homepage des Hotels erfahren, dass es einen neuen Küchenchef gebe. So war ihr Interesse groß, zumal sie dort seit 20 Jahren zu Gast sind. Vor dem Haus trafen sie die frühere Chefin, die Michael vor Corona immer mit Wangen-Küsschen begrüßt hat. Ihre charmante Tochter, die neue „hôtelière“, die ihnen ihre Zimmerschlüssel gab, informierte sie, dass der neue Chefkoch über 20 Jahre Erfahrungen auch in der Sterne-Küche gesammelt habe.

Nach einer späten Siesta ging es um 19.30 h zum Abendessen.
Zum Apéro nahm Wolfgang einen „senteur des Sapins“, einen mit Weißwein aufgegossenen Tannenlikör, Michael sein „pression“, Bier vom Fass, dazu gab es jeweils ein einfache, wohl zugekaufte Blätterteich-Käsestange. Mit großer Neugier sahen sie die neue Speisekarte an: nur noch zwei Menus, eins mit drei Gängen zu 35 € mit mehreren Wahlmöglichkeiten innerhalb jeden Ganges, das andere mit fünf festliegenden Gängen zu 55 €, keine Spur mehr eines einfacheren Drei-Gänge-Menus für zuletzt 20 €! Zudem: Drei der interessanteren Gang-Varianten des kleineren Menus waren mit „supplements“, Aufschlägen, von insgesamt 14 € versehen, so dass man sich, würde man sich für alle diese entscheiden, mit 49 € dem höherpreisigen nähern würde! So fiel die Wahl leicht: beide nahmen das größere „menu gourmand“ und für 18 € die Weinbegleitung dazu. Insofern würde der Wirt, es bediente heute Abend der Bruder der „hôtelière“, zu drei Gängen jeweils ein 0,1 l-Glas eines ihm passend erscheinenden Weines servieren.
Als Gruß aus der Küche gab es ein Gläschen Champignoncrème, mit wenig spezifischem Aroma. Die „fois gras en royale“ erwies sich zur Enttäuschung beider nicht etwa als eine ordentliche Scheibe Enten- oder Gänseleber, sondern als ein eine Art sahniger Eierstich: mit sehr dezentem fois-gras-Aroma, dafür aber mit dem kräftigen, alles andere überdeckenden Geschmack gebratener Speckstreifen oben drauf. Hier hätte ein Blick in Wikipedia o. ä. Unbill vermieden, denn, wie sie später herausfanden, ist „royale“ genau das, was serviert wurde, nämlich ein sahniger Eierstich!
Dazu wurde als erste der Weinbegleitungen Rhabarberwein serviert, fruchtig, aber nicht zu süß, eine Spezialität der Gegend, wie ihr Service-Begleiter verlauten ließ, eine weitere Überraschung und insgesamt ein Auftakt, der ihren Erwartungen nicht so recht entsprach.
Ganz anders zum Glück der Fischgang: Seeteufel in einer Zubereitung, wie sie sein sollte, dazu ein schön stahlig-trockener, gut passender weißer Sancerre. Die „pause granité“ erschien als Mirabellen-Sorbet, mit etwas Likör derselben Frucht übergossen – einwandfrei!
Der Hauptgang, ein Rehrückenfilet, war perfekt rosig gebraten, auch die Gemüse und die Soße waren köstlich. Der dazu gereichte Vacquéras, ein Weinort im Gebiet Côtes-du-Rhône gar nicht ganz weit weg von ihren Häusern im Süden, brauchte Luft zum Atmen, um seine anfängliche metallische Härte zu verlieren, aber bald fanden Speisen und Wein zu einer Harmonie, die die anfänglichen Schwächen wett machte.
Die Käseauswahl hatte zwar nicht mehr ganz die Opulenz von früher, war aber sehr ordentlich von Quantität und Qualität, dazu bestellten sie noch mal vom selben Roten, der immer besser wurde, nicht recht verständlich, warum die Weinbegleitung sich – in Gottes Namen zu einem erhöhten Preis – nicht auch darauf erstreckte.
Auch die kleine Auswahl von Desserts, Wolfgang hatte eine gewürzte Birne aus dem Ofen, Michael verschiedene Zitrusfrüchte in leichtem Sirup mit einer Kugel Eis, wussten zu gefallen und rundeten ein im Ergebnis sehr gutes, dem Preis angemessenes Essen ab.
Zugunsten guten Schlafes verzichteten beide auf den eigentlich üblichen „café“ und gingen gegen 22.15 h auf ihre Zimmer.


Freitag, 11. Februar 2022
Nach gutem Frühstück – nur der Kaffee schmeckte nicht – und einem Gespräch mit der charmanten neuen Chefin am Hotelempfang, in dem Michael konstruktive Kritik am abendlichen Menu und dem morgendlichen Kaffee in bunte Blümchen verpackte, brachen sie um 8.55 h mit 400 km RRW bei zunächst bedecktem Himmel und 1° C. Wolfgang steuerte zunächst das nächste Dorf Oëlleville an, um dort beim Bäcker seiner Liebsten und sein Lieblingsbrot, „Polka“ mit Namen, zu kaufen. Kurze Zeit später riss der Himmel auf, und sie fuhren bald unter blauem Himmel und strahlender Sonne.
Den nächsten Zwischenstopp legten sie um 10.15 h bei dem riesigen Supermarkt „Leclerc“ in Nancy ein, um sich mit Käse und, so Wolfgang, mit etlichen Töpfchen einer Edel-Mousse au Chocolat einzudecken. Um 10.25 h ging es bei 5° C, heiterem Himmel und viel Verkehr weiter, letzteres, weil sie sich hier bereits in dem Teil des Autobahnnetzes befanden, das mautfrei ist.
Um 11.40 h erreichten sie den schon von der Hinfahrt bekannten SC Münzbach in Luxemburg mit 100 km RRW. Um 12.15 h beendeten sie den Ladevorgang mit einer RRW von 428 km für 18,32 €. Nächster Zwischenstopp war um 12.10 h auf Michaels Wunsch Wasserbillig an der Grenze zur BRD, um dort billigen Büro-Kaffee für seine Liebste zu kaufen. Zugleich nahmen sie aus dem Reiseproviant einen kleinen Mittagsimbiss, den Wolfgang um das köstlich-frische Polka-Brot anreicherte.
Um 12.35 h setzten sie den Heimweg mit 404 km RRW fort, jetzt wieder mit Michael am Steuer. Als besonderes „Bonbon“ für ihn wechselte Wolfgang den Fahrmodus des Tesla von „Lässig“, den er bevorzugt, nach „Standard“, was aber eigentlich „Sportlich“ heißen müsste. U. a. wird die Lenkung direkter, aber insbesondere das Ansprechverhalten des Strompedals und die Leistungsentwicklung, die vorher eigentlich schon nichts zu wünschen übrigließen, gingen mit einer atemberaubenden Unmittelbarkeit zu Werke, jederzeit waren die 500 PS der beiden Elektro-Triebwerke zu spüren und spontan zu mobilisieren.
In der Eifel regnete es in Höhe Prüm bei 4° C, um 14.10 h gab es in Höhe Dahlem bei 2° C einen kurzen Schneeregenschauer, später kam aber doch wieder die Sonne heraus.
Hinter Blankenheim, schon im Abstieg ins Erfttal wieder mit Wolfgang am Steuer, fiel Michael auf, dass das Navi für die restliche 152 km bis Unna mehr als 2 Stunden errechnete, das verhieß nichts Gutes. Schon ab dem Dreieck Erfttal stellte sich, schließlich war es Freitag und 14.45 h, zähflüssiger Verkehr mit 40 - 60 km/h ein, und um 15.15 h erreichten sie das Ende des Staus an der Rheinbrücke der A 1, den sie allerdings in erstaunlich kurzen 10 Minuten passiert hatten. Jede Freude darüber erwies sich aber als verfrüht, denn nun meldeten Verkehrsfunk und Navi unisono eine Vollsperrung der A 1 bei Volmarstein. So fuhren sie gegen 16.00 h mit Tausenden Anderer in Wuppertal-Nord auf die A 43 Richtung Bochum, um sich dort durch die Baustelle bei Sprockhövel zu quälen. Über die A 44, A 45 gelangten sie, mit kurzen Staus jeweils vor den Kreuzen, in Westhofen wieder auf die A 1 und erreichten um 16.50 h, also etwa eine knappe Stunde später als geplant, mit 56 km RRW Wolfgangs Zuhause in Unna, wo sie von seiner Liebsten mit Kaffee und Kuchen empfangen wurden.
Doch ein wenig geschafft durch die nervige Fahrerei am Schluss, zogen sie in der typischen Knappheit des Ruhrgebiets ein Fazit: „War doch sehr nett gewesen!!“ und verabredeten sich für Samstagmittag zusammen mit den Liebsten im Lieblings-Café.
Eine abschließende Bewertung ergibt nach dem Urteil der beiden Freunde große Unterschiede zur winterlichen Experimentalreise im Jan 2020:
Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit, die natürlich auch vom Fahrstil abhängig ist: auf der Autobahn meist Tempomat 120 km/h -- lag bei mehreren Messungen mit einer Ausnahme zwischen knapp 90 und über 100 km/h; schneller fährt Michael mit seinem Plug-in-Hybrid im Langstrecken-Verbrenner-Modus in der Regel auch nicht. Die Ausnahme – 72 km/h bei der Ankunft in Barjac – erklärt sich durch längere Fahrt über z. T. kleine, kurvenreiche Landstraßen.
Die Ladung an den Tesla-SC ist völlig unproblematisch und deutlich kürzer als noch im Januar 2020. Auch deren Kapazität erscheint in der Woche und zu dieser Jahreszeit völlig ausreichend. Selten waren sie allein an den Ladesäulen – zwischen 6 und 25 Stück –, meist tauchten während ihrer Ladung 2, 3 oder 4 andere Teslas auf, aber nie war auch nur die Hälfte der Lademöglichkeiten besetzt.
Selbstverständlich war dieses Mal der Innenraum des Teslas auch beheizt.
So beschränkte sich der Unterschied zur Langstreckenfahrt mit einem Verbrenner im Wesentlichen auf die im Vergleich zur Betankung längere Ladedauer. Indessen reichte diesmal durchweg die Überbrückung durch einen Espresso, einen Imbiss und einen Gang zur Toilette zeitlich aus, zumal ohnehin alle drei Stunden eine Pause empfohlen wird, ganz so, wie es das französische Paar auf dem SC in Dardilly schon jetzt, noch mit Verbrenner unterwegs, einübte. Niemals wurde – dank des Tesla-Navis – die Suche nach Lademöglichkeiten oder deren Dauer nervig.
Fazit: Die E-Mobilität ist erwachsen geworden.



Anhang der Rezepte

Für Leser, die Lust haben, Michaels Gerichte nachzukochen:

1: Hackfleisch (vom Rind, Rind Schwein gemischt, wer mag, auch Lamm oder Wild) in Olivenöl anbraten, fein gewiegte Zwiebeln und Knoblauch, grob geraspelte Möhren und Knollensellerie dazu, ablöschen mit halb Wasser halb Wein, Dosentomaten oder Tomatenmark (nicht: Ketchup!!) dazu, würzen mit Salz, Pfeffer, ein paar Lorbeerblättern, (wer mag, auch mediterrane Kräuter, am liebsten Oregano) und auf kleiner Flamme sieden lassen, je länger, je besser, bei Bedarf Flüssigkeit nachgießen.
2:  Michael briet Räucherspeckwürfel, fein gehackte Zwiebeln und etwas Knoblauch in Butter an, würzte mit Salz und Pfeffer und löschte mit einem halben Glas Weißwein und einem Spritzer weißem Balsamico-Essig ab. Den geputzten Frisée zog Michael durch die von der Flamme genommene, aber noch heiße Pfanne und servierte mit frisch aufgebackenem Baguette sofort.
3: In Butter und ein wenig ausgelassenem Räucherspeck wurden eine Möhre, 2 Stangen Staudensellerie und das zarte Innere einer Porréestange, alles fein geschnitten, mit etwas Knoblauch angedünstet, vorher waren die getrockneten Steinpilze in warmer Weißwein/Wasser-Mischung vorgewässert worden. In die Pfanne mit dem Wurzelwerk kam eine Tasse Reis, einzig verfügbar war Basmati, lieber hätte Michael Arborio oder Carnaroli, die klassischen Rundkornarten verwendet. Nach kurzem Andünsten kamen die vorgequollenen Steinpilze samt Brühe, 3 Lorbeerblätter und ein Zweig Salbei dazu, beides aus Wolfgangs Garten. Gegen Ende der Garzeit gab kleingeschnittener Laguiole, ein kräftiger Rohmilch-Käse aus dem westlich gelegenen Aubrac, zum Reiben nicht hart genug, dem Risotto die erwünschte Crèmigkeit. Auf dem Teller begleitete das Risotto ein schönes Lachsfilet vom Markt aus Uzès, das in Olivenöl mit ein paar Zweigen Rosmarin, wieder aus Wolfgangs Garten, auf der Haut schön kross gebraten wurde.
4: Avocados geschält, gewürfelt, fein gewiegte Zwiebeln und Knoblauch, Zitronenschalenabrieb und ein Spritzer Zitronensaft, etwas Salz, etwas mehr frisch gemahlener Pfeffer, alles mit dem Zauberstab püriert – fertig!
5: Michael schnitt die recht fetten Würste in Scheiben, briet sie im Suppentopf kräftig an und goss große Teile des austretenden Fetts weg. Reichlich Knollensellerie-Würfel, noch vorhandene Stangen Staudensellerie, Scheiben einer Möhre und einer großen Porréestange wurden in dem verbleibenden Fett angebräunt, die feinen Linsen aus dem ca. 130 km nordwestlich gelegenen Le Puy und Kartoffelwürfel kamen dazu, ebenso 4, 5 Lorbeerblätter und reichlich Kreuzkümmel; mit einem Liter Wasser wurde aufgegossen, zwei Bio-Gemüse-Brühwürfel zugefügt. Nach dem Garen schmeckte Michael mit Salz, Pfeffer, etwas Zucker und einem kräftigen Schuss weißen Balsamico-Essigs ab.
6: Den Brokkoli blanchierte Michael kurz und dünstete ihn in Butter und mit gehackten Walnüssen knapp gar; gern hätte er noch mit frisch geriebener Muskatnuss abgeschmeckt, welches sich in der Gewürzsammlung indessen nicht finden ließ.
Gleichfalls in Butter wanderten rohe Kartoffelscheiben mit Zwiebeln und dem Rest Räucherspeck in die Pfanne, wurden mit Deckel gegart und danach ohne diesen knusprig ausgebraten.
Das Lammfleisch, es handelte sich um relativ dünn aus der Keule geschnittene Scheiben, in Frankreich wegen ihrer runden Form mit dem Röhrenknochen in der Mitte „rouelles“, Rädchen, genannt, wurde in dem guten Olivenöl mit Knoblauch und Rosmarin aus dem Garten scharf angebraten und dann mit Deckel auf den Punkt rosig gegart.
7: Für die Vorspeise schnitt Michael den Fenchel in dünne Scheiben, dünstete sie mit etwas Knoblauch in Olivenöl an und würzte mit Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel und einem Spritzer weißen Balsamico, lauwarm mit den abgetropften Sardinen als kleine schnelle Vorspeise ganz lecker.

2. Experimental-Reise von Unna am östlichen Rand des Ruhrgebiets nach Barjac in Südfrankreich

Lautlos unterwegs 2.0
vom 20. bis 28. Januar 2020

Auto:Renault Zoé Intense Z.E.40, 68 kW, Zulassung: 4/2017, bisher gefahrene km: ca. 30.000
Dies ist das Nachfolgemodell der in dem Buch "lautlos unterwegs" behandelten Zoé, siehe Foto oben rechts. Zu den technischen Details und Fachausdrücken siehe oben unter "Nachbemerkungen" --> "Glossar".



Der 1. Reisetag

Die Experimental-Reise der Autoren mit dem E-Mobil von Unna im Ruhrgebiet nach Barjac im Departement Gard in Südfrankreich aus dem Sommer 2016, dokumentiert im Reisebericht „Lautlos unterwegs“ aus dem 3-Punkte-Verlag Duisburg 2016, liegt nun mehr als dreieinhalb Jahre zurück. Zudem hatte Wolfgang die damals benutzte weiße Zoé von Renault mit 22 kWh-Akku durch eine bordeaux-rote mit 41 kWh-Akku (Nachfolgemodell Erstzulassung 4/2017, Modell R90 mit 68 kW = 92 PS) ersetzt. Danach lag nichts näher, als eine Wiederholung der Abenteuerreise zu unternehmen. Äußerer Anlass, um nicht zu sagen: Vorwand, für die Autoren war die Sorge um ihre Ferienhäuschen im Süden, die sie beide schon seit Monaten nicht mehr aufgesucht hatten.

Das Design dieses neuen Projekts lässt sich in etwa so umreißen:

Überprüfung der Weiterentwicklungen in der Praxis, also:

1. Wie wirkt sich die fast doppelte Akku-Leistung aus?

2. Wie weit ist der Ausbau des Ladesäulennetzes, insbesondere der Ladesäulen für beschleunigte Ladung (22 kW)?

3. Wie sieht es heute mit der Zuverlässigkeit der Funktion der Ladesäulen aus?

4. Gibt es inzwischen eine Vereinfachung der seinerzeit noch komplizierten Bezahlsysteme?


Demgegenüber Fahrt im Winter, also:

1.   geringere Akkuleistung wegen der niedrigen Temperaturen

2.   ebenfalls witterungsbedingte langsamere Ladung

3.   mehr Verbraucher durch Heizung, Licht usw.

4.   als völlig neues Handicap: ein dritter Mitreisender, Dr. Rolf Jansen, wie Michael auch jenseits seines Idealgewichts

5.   Mehrgepäck wegen Winterausstattung


Zielplanung für zumindest den ersten Reisetag:

1.   soweit wie irgend möglich kostenlose Ladestationen nutzen

2.   möglichst keine gebührenpflichtigen Autobahnabschnitte nehmen

3.   Erste Zwischenübernachtung in Rouvres-en-Xaintois/Lothringen

So kam es am Montag, dem 20. Januar 2020, gegen 08.20 Uhr zum Aufbruch unserer drei Reisenden aus Unna, die mitsamt ihrem winterlichen Reisegepäck die Ladekapazität der Zoé an ihre Grenzen brachten. Die Anzeige der zum Bersten aufgeladenen Zoé mit einer angegebenen Reichweite von ca. 400 km nach NEFZ (300 km hält Renault selbst für realistisch bei zurückhaltender Fahrweise und im Sommer) wies konkret eine solche von 219 km aus. Für die Reisenden war dies eine erste kleine Enttäuschung, ein wenig herb auch Wolfgangs Entscheidung, trotz einer Außentemperatur von 3° C zugunsten der Reichweite, die Heizung, einen Verbraucher von immerhin permanent bis zu 2 kW, ausgeschaltet zu lassen. In diesem Zusammenhang ließ Rolf, der neue Mitreisende, seine Kompagnons wissen, dass er – durch entsprechende Hinweise von Wolfgang gewitzt – vorsorglich lange Unterhosen angelegt habe.

Die Fahrt verlief trotz abklingenden montäglichen Berufsverkehrs glatt: kurze Zähflüssigkeit auf der A 1 bei Volmarstein und vor dem Kreuz Leverkusen, problemlose Passage der Baustelle auf der Rheinbrücke. Das Wetter blieb auch im Rheinland hochneblig und mit 2° C überraschenderweise noch kühler als in Westfalen.

In Erftstadt-Liblar gab es nach 120 km um 10.22 Uhr bei 54% Rest-Ladung angesichts des nunmehr anstehenden Eifelanstiegs eine kostenlose erste Zwischenladung bei einem Lebensmitteldiscounter.

Nach 40 Min. ging es mit einer neuen Rest-Reichweite (im Folgenden: RRW) von 187 km weiter, ab dem Ende der A 1 bei Blankenheim auf der B 51 in Richtung Trier.

Ab Mittag hob sich der Hochnebel, eine erste schüchterne Sonne zeigte sich, bei allerdings 0° C. Nach einem ungeplanten Zwischenhalt an einer Tankstelle zur Auffüllung des Scheibenwaschwassers erreichten die Reisenden Bitburg. Dort suchten sie vergeblich eine im Internet bei ChargeMap als kostenlos angezeigte Ladestation Am Markt 5, fanden sie trotz der Hilfe von Passanten nicht, wahrscheinlich wegen einer derzeit dort befindlichen Baustelle. Schließlich steuerten sie dann die ihnen aus 2016 schon bekannte Station der Kreissparkasse Bitburg-Prüm an, die zwar im Internet bei ChargeMap als „kostenpflichtig“ angekündigt war, sich aber als nach wie vor kostenlose Lademöglichkeit herausstellte. Bei einer RRW von 62 km (= 25%) begann die Ladung. Zum Dank für diese schon öfter genutzte Lademöglichkeit übergab Wolfgang im Servicebereich der Sparkasse ein Exemplar des Buchs „Lautlos unterwegs“.

Zeitverlust bei diesem Ladevorgang durch Suchen: ca. 20 Min.

Nach einem Mittagsimbiss im Restaurant Louis Müller im Zentrum Bitburgs richteten die Reisenden um 14.35 Uhr mit 96% Ladung = 249 km RRW ihren Blick auf Luxemburg, zunächst mit einem kurzen Zwischenstopp beim Shop der Tankstelle Wasserbillig. Dort sollte für den Aufenthalt in Südfrankreich ein Kilo Kaffee, natürlich fair gehandelt und bio, gekauft werden. Schmunzelnd und hoch erhobenen Hauptes fuhren die Reisenden an den vorgelagerten Zapfsäulen mit den wartenden „Verbrennern“ vorbei. Danach machte sich bei einer RRW von 187 km und einer Entfernung von 170 km zur Zwischenübernachtung in Lothringen der luxemburgische Feierabendverkehr bemerkbar. Daher stand nun eine Zwischenladung an. Die Reisenden entschieden sich gegen 17.30 Uhr, nun schon in Frankreich angekommen für das Groß-Kaufhaus „Auchan“ in Nancy-Laxou mit einer gleichfalls kostenlosen Lademöglichkeit. Obwohl an der Doppel-Ladesäule ein anderes E-Mobil lud, wurde trotz vorschriftsmäßiger Anschlussprozedur Wolfgangs Z.E. Zugangspass von Renault/Bosch nicht erkannt; die Dame vom Empfang bzw. der Information des Kaufhauses schickte einen sehr freundlichen, letztlich aber hilflosen Mitarbeiter. Auch die von Zoés Bordcomputer angebotene und angefahrene Alternativ-Ladesäule bei Nissan im selben Gewerbegebiet war mit rot-weißem Flatterband umwickelt – alles klar?? Ein anderer Vorschlag des Navis hatte nur einen frankreichspezifischen Typ3-Anschluss, der für die Reisenden nicht zu nutzen war. Für eine weitere vorgeschlagene Ladestation hätte man zurückfahren müssen – undenkbar!

Zeitverlust bei diesen Suchvorgängen und dem Ladevorgang wegen nicht funktionierenden Zugangs: ca. 35 Min.

Unverrichteter Dinge und notgedrungen nahm Zoé wieder die – noch kostenlose – Autobahn unter die Räder. Um 18.34 Uhr erreichte sie die kostenpflichtige (allerdings nur 20 Cent/kWh) Ladestation bei dem Einkaufszentrum Leclerc, Centre E.Leclerc Allee 11, Dommartin-les-Toul, wo sie mit einer RRW von 60 km ankam.(korrigiert am 16.02.2020 12.00 Uhr)

Bevor sie um 19.02 Uhr mit 48% Ladung (= RRW 134 km) weiterfuhren, benachrichtigte Wolfgang das zur Zwischenübernachtung vorgesehene Hotel „Burnel“ in Rouvres-en-Xaintois telefonisch, dass sich ihre Ankunft wohl auf ca. 20.00 Uhr verschieben würde - „pas de soucis, Monsieur“ – „kein Problem, mein Herr“.

Mit einer RRW von 41 km erreichten die Reisenden 2 Stunden später als geplant und immer noch leicht genervt (3. Ärger), weil inzwischen auch hungrig, den Gasthof um 19.51 Uhr.

Nach den im Laufe des ersten Reisetages gewonnenen praktischen Erfahrungen schien sich die eingangs formulierte Hypothese zu bestätigen, dass die winterlichen Verhältnissen die Kapazität des Akkus beschränken, die Dauer der Ladungen verlängern und die zusätzlichen Verbraucher wie Heizung, Sitzheizung, Scheibenwischer und Licht die Reichweite zusätzlich vermindern. Demzufolge war Wolfgang, der bislang am Steuer der Zoé saß, schon früh dazu übergegangen, den Stromverbrauch durch die Wahl des Eco-Modus zu deckeln. So wurden insbesondere die Geschwindigkeit auf 94 km/h und die Heizleistung auf 1 kW begrenzt, sofern letztere überhaupt aktiviert wurde, etwa um dem Beschlagen der Scheiben entgegenzuwirken. Weitere Folge dessen war auch eine Deckelung der Beschleunigung, was aber – zum Glück – durch einen kräftigen Kick-down des Strompedals (früher: Gaspedal) kurzzeitig überbrückt werden kann, z. B. bei einem der eher seltenen Überholmanöver.

Ein weiteres jahreszeitliches Handicap stellte das frühe Ende der Tageshelligkeit insofern dar, als die ohnehin sehr kleinen Hinweisschilder die Ladestationen betreffend auf Rasthöfen oder den riesigen Parkplätzen der Großkaufhäuser – vgl. „Lautlos unterwegs“ S. 31 – im Dunkeln meist nur zufällig und oft auch nur nach längerer Suche zu entdecken waren. Dies wurde zusätzlich durch den Umstand erschwert, dass zumindest auf den Autobahnrasthöfen die Verkehrsführung ein Umkehren nahezu unmöglich macht; also ein weiterer Zeitfresser und damit 4. Ärger.

Verschwiegen werden soll nicht, dass es zwischen dem „wissenden“ Wolfgang und dem „interessierten Laien“ Michael, so der Klappentext von „Lautlos unterwegs“, wieder gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten über technische Details kam. Ging es bei der ersten Experimental-Reise um Rekuperieren oder Segeln – „Lautlos unterwegs“ S. 30 – oder um die Frage, einen angekündigten Stau zu umfahren oder nicht – ebd. S. 87 –, so gab es jetzt eine Diskussion darüber, ob die Klimaautomatik im Eco-Modus auf niedriger Temperatur dauernd mitlaufen, so Michael, oder die Heizung der Zoé intervallartig mit voller Leistung kurz an- und danach wieder ausgeschaltet werden sollte, so Wolfgang.

Das am wohlbekannten Gasthoftisch gezogene Fazit des ersten Reisetages fiel demgemäß durchwachsen aus:

  • Auffallend deutlich empfanden die Reisenden die Leistungseinbußen des Akkus beim Winterbetrieb im Vergleich zur ersten Experimentalreise im Sommer 2016.
  • Mit 64,3 km/h blieb die Tagesdurchschnittsgeschwindigkeit hinter den Erwartungen zurück und ließ die Reisenden zwei Stunden später als geplant im Zwischen-Übernachtungshotel ankommen, ein Maß an Verspätung, über das sie sich am nächsten Tag noch freuen würden… Nach ihrer Analyse waren dafür die dauerhaft abgeregelte Höchstgeschwindigkeit ebenso ausschlaggebend wie die manchmal durchaus zeitaufwändige Suche nach den Ladesäulen.
  • Die Anzahl der vom Navi der Zoé angezeigten Lademöglichkeiten, die bei weitem nicht aktuell war, hat zwar erheblich im Vergleich zur ersten Reise zugenommen, oft blieb davon aber nicht viel praktischer Nutzen: das Navi zeigte viel weniger Lademöglichkeiten an, als man auf den einschlägigen Internetseiten finden konnte, teilweise nannte es falsche Anschlussbuchsen, Säulen waren defekt, oder – so insbesondere bei den Stationen der Warenhäuser – eingeschränkte Öffnungszeiten trübten dieses an sich erfreuliche Bild nicht unerheblich.
  • Auch bei den Bezahlsystemen bleibt in Sachen Praktikabilität und Vereinheitlichung noch viel Luft nach oben.

Zeitverlust am ersten Reisetag wegen technischer Unwägbarkeiten bei den Ladestationen: 55 Minuten.

Umso wohltuender die hochgeschätzte Gastlichkeit des Hotels Burnel – von den Reisenden schon mit großer Vorfreude erwartet – mit seinem unübertroffenen Preis-Leistungs-Verhältnis: das 3-Gang-Basis-Menu mit zusätzlichem Vorab-Gruß aus der Küche für 16,50 €, für 23,00 € mit zusätzlichem kleinen Käsegang und größerer Auswahl bei den Vorspeisen.

Hier passte der – leicht abgewandelte – Ausschnitt aus Heinrich Heines „Deutschland – Ein Wintermärchen“:

Dicht hinter Nancy ward es Nacht,
Und ich fühlte in den Gedärmen
Ein seltsames Frösteln. Ich konnte mich erst
Zu Rouvres, im Wirtshaus, erwärmen.

(vgl. auch „Lautlos unterwegs“ S. 106)

Als Vorspeise war zu wählen z. B. zwischen Lachs-Carpaccio, Salat mit überbackenem Ziegenkäse oder Fischpastete; als Hauptgang entweder Lachsschnitte mit verschiedenen Gemüsen und Süßkartoffelpüree oder dieselben Beilagen mit einem Fächer aufgeschnittener Rinderbäckchen und -Zunge – einfach köstlich! Beim Dessert die Wahl u. a. zwischen einem Duo von weißer brauner mousse au chocolat, Mirabellen-Parfait oder Zimt-Trockenpflaumen in Rotwein, alles frisch und selbst zubereitet, nach deutschen Maßstäben in gehobener Gasthofqualität.

Wieder einmal vollzog sich in überraschender Geschwindigkeit der Wandel von manchmal gestressten Reisenden zu Genießern, von Anspannung zu purem Wohlbehagen. Die 4 Ärgernisse waren schnell vergessen. Dazu trugen auch die regionalen Apéritifs sowie zwei Flaschen Gris und Rouge de Toul nicht unerheblich bei.


Der 2. Reisetag

Vorgewarnt durch den Wetterbericht, aber doch überrascht, sahen wir am nächsten Morgen eine zugefrorene Zoé: -8° C! Zum Glück hatte der Ladevorgang über Nacht gut geklappt – Dank an das Hotel, das seinen Ladeanschluss (7 kW immerhin) kostenlos zur Verfügung stellte – und der Akku war voll. Nun, solange die Zoé noch am Stromkabel hing, galt es, mehrfach nacheinander die Standheizung einzuschalten, was problemlos klappte. Die neben der Zoé stehenden Verbrenner wurden derweil bei laufendem Motor von ihren Besitzern freigekratzt, was die Reisenden missbilligend zur Kenntnis nahmen, ohne dies allerdings offen zu kommentieren. Man war schließlich Gast in diesem Land. Nach dem Frühstück war das Auto nicht nur aufgetaut, sondern angenehm warm. Leider verzögerte sich die für 8.00 Uhr geplante Abfahrt wegen des ausführlichen Frühstücks der beiden Mitfahrer noch um 25 Minuten – so viel zum Thema Entschleunigung.

Nun aber los, in eine raureifüberzuckerte Winterlandschaft, die von einer gerade über den Horizont kletternden Wintersonne vergoldet wurde – wunderschön! Zunächst ging es über kurvige Landstraßen bis Vittel und Contrexéville, dann über längere schnurgerade Abschnitte bis Gray. Denn die Reisenden hatten sich schließlich vorgenommen, kostengünstig zu fahren. Das heißt nicht nur möglichst oft kostenlos zu laden, sondern auch in Frankreich die mautpflichtigen Autobahnen zu vermeiden.

Diese Strecke ist deutlich kürzer als die Autobahnvariante und erlaubt es, mit einer eigens gemessenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 63,3 Km/h nahezu genauso schnell zu sein wie am Tag zuvor. Das Zwischenziel Gray über die Autobahn wäre nach der Einschätzung von Google Maps nur 2 Minuten schneller zu erreichen gewesen. So kamen sie an der vorgesehenen Ladestation im Zentrum von Gray, einem schönen Städtchen an der Saône, um 10.35 Uhr an mit einer RRW von 102 km bei inzwischen sonnigen +8° C Außentemperatur.

Unmittelbar nach dem Anschluss der Zoé erledigte Wolfgang den erbetenen Rückruf bei einem Redakteur des Hellweger Anzeigers, dem Regionalblatt des Kreises Unna, Nach einem relativ ausführlichen Telefoninterview bat der Journalist um ein paar Fotos der E-Akteure. Der daraus entstandene großformatige Artikel, präzise und wohlmeinend, würde den Reisenden natürlich erst am nächsten Tag zugänglich sein.

Dann ging es hoch in die Altstadt, mit ihrer mächtigen Basilika Notre Dame. Nach einer kleinen „noisette“, wir würden sagen: „espresso macchiato“, setzten die Reisenden um 11.55 Uhr ihre Experimental-Reise in den Süden mit 84% Ladung fort, nach der Navi-Variante „Schnellste Strecke“ zunächst über Land bis kurz vor Dijon, dann – mit Blick auf die Uhr – doch wieder auf die Autobahn A 31.

Auf dem Autobahnrasthof „Aire de Beaune-Tailly“ schlossen sie die Zoé um 13.15 Uhr bei 47% = 117 km RRW an. Eigentlich hatten sie an einen kleinen Mittagsimbiss gedacht, wurden indessen unangenehm dadurch überrascht, dass nunmehr der Restaurantbereich dieses Rasthofs wie vieler anderer (wie sie im weiteren Verlauf der Reise noch feststellen würden) von einer großen Schnell-Restaurant-Kette übernommen und völlig neu konzipiert worden war: Bestellung der „Köstlichkeiten“ über Display-Automaten, Aufruf der fertigen Fritten oder Burger über elektronisches Laufband usw. ­– die Reisenden fanden diese Prozedur ebenso furchtbar wie das Ergebnis der kulinarischen Bemühungen an den Fritteusen!!

Um 14.05 Uhr ging es mit 83% Ladung entsprechend einer RRW von 214 Km weiter, Michael lag die immer ein wenig heikle Passage Lyons im Magen, da es bis dahin noch 160 km waren und sie dann dort der gefürchtete Feierabendverkehr erwarten würde. Den „Péage de Limas“, die Mautstation kurz vor den Toren Lyons, passierten die Reisenden um 15.25 Uhr mit einer RRW von 90 km, so dass sie beschlossen, an der aus „Lautlos unterwegs“ S. 87 ff bekannten Station in Ecully nachzuladen. Dort kamen sie um 15.41 Uhr mit einer RRW von 72 Km = 28% an. Diese Ladestation war von Wolfgang schon häufiger genutzt worden und galt in seinen Augen daher als zuverlässig. Doch leider diesmal nicht! Mehrere Startversuche scheiterten, die rechte der beiden Ladesäulen ließ sich nicht aktivieren. Dann Wechsel zur linken – ebenfalls Fehlanzeige, schließlich der ultimative Anruf bei der Hotline. Dies übernahm Michael, dessen Französisch-Kenntnisse deutlich besser sind als Wolfgangs (Rolf fühlt sich in anderen Fremdsprachen mehr zuhause). Ein freundlicher Herr antwortete und erkannte wohl Michaels deutschen Akzent, sodass er selbst ins Deutsche wechselte: „Ich stamme aus dem Elsass.“ Nach der Aufforderung, es nun wieder mit der rechten Ladesäule zu versuchen, klappte nach mehreren Resets oder ähnlichen Eingriffen des Herrn an der Hotline schließlich die Aufladung.

Zeitverlust wegen nicht funktionierenden Zugangs: ca. 15 Min.

Zur Bestürzung der Reisenden hatte sich das nahe gelegene, damals noch passable, in gewisser Weise berüchtigte Schnellrestaurant (nachlesen: „Lautlos unterwegs“ S. 88 - 91, hier nur die Tür zur Toilette, die ja die Phantasien der damaligen Reisenden beflügelt hatte)

in ganz ähnlich unangenehmer Weise umstrukturiert wie die zuvor beschriebene Autobahnraststätte: sehr teure und sehr schlechte Burger, ebensolche Fritten, und das im Land der Gourmets und der Spitzen-Gastronomie!

Daher machten sie sich irgendwie missmutig und unzufrieden um 16.38 Uhr mit 66% Ladung und einer RRW von 173 Km auf die noch ca. 230 km lange Strecke, entgegen Michaels Unkenrufen mit vergleichsweise geringen Zeitverlusten im allerdings sehr dichten Feierabendverkehr des Lyoner Südens.

So erreichten sie um 18.15 Uhr den Autobahnrasthof „Pont de L’Isère“ mit einer RRW von 89 Km. Die wie üblich schlecht, aber immerhin beschilderte und eher schwach beleuchtete Ladesäule im Dunkeln zu finden, war nicht ganz einfach, erwies sich im Nachhinein aber noch als das geringste Problem.

Zunächst stellten sie fest, dass das Typ2-Ladekabel in Gebrauch einer anderen Zoé war. Mit Blick auf den im Display der Zoé angezeigten, von außen einsehbaren Ladezustand von 84% machte Wolfgang sich anheischig, den Fahrer im Café-/Imbiss-Bereich zu finden, um zu eruieren, ob man ihn zum Abbruch seines Ladungsvorgangs bewegen könne. Erstaunlich schnell gelang ihm dies auch: eine ältere Dame, die man auf den ersten Blick nicht mit einem E-Mobil in Verbindung gebracht hätte, war gern behilflich, und relativ schnell hing die Zoé der Reisenden an der Ladesäule.

Indessen schlugen die nächsten Routine-Schritte: Freischalten mit Hilfe des Z.E. Passes von Renault/Bosch, Starten des Ladevorgangs – fehl, nicht einmal, nicht zweimal, sondern vielfach. Mit Blick auf die Uhrzeit – es war inzwischen 18.25 Uhr - und die Entfernung zum Ziel (129 Km) stellten sich bei den Reisenden Missbehagen und Ungeduld ein. Wie schon bei der ersten Experimental-Reise – vgl. „Lautlos unterwegs“ z. B. S. 24, 30, 95 – sah das inzwischen bewährte interne Störungsmanagement der Reisenden nun wieder Michaels Anruf bei der auf der Ladesäule angegebenen Hotline vor. Die Dame am anderen Ende bestand zunächst sehr freundlich, aber bestimmt auf weiterer Wiederholung: „Tun Sie so, als seien Sie gerade angekommen!“ der schon mehrfach vorgenommenen Anschlussprozedur, nur um wieder und wieder bei den eindeutigen Rückmeldungen von Zoé – rotes Signal am Ladeanschluss – zu landen. ALS Nur für den Außenstehenden kurios erlebte Michael in dieser Phase die Tatsache, dass der nun schon vielfach wiederholte Dialog mit dem Display der Ladesäule, da Wolfgangs Z.E.-Pass ihn als Deutschen ausgewiesen hatte, sich zur vermeintlichen Erleichterung auf Deutsch vollzog. Dagegen zog die immer noch freundliche Dame der Hotline, dieser Sprache nicht mächtig, es naturgemäß vor, diesen Dialog ins Französische rückübersetzt zu bekommen, wahrlich kein Quell der Erleichterung, zumal angesichts des weiterhin negativen Ergebnisses. Daher entschloss sich die hilfreiche Dame, wie sie in bester Absicht mitteilte, zu einem Reset der Ladesäule, schuf damit zunächst aber nur Raum für eine weitere Eskalation: Zwar deuteten die plötzliche Schwärze des Displays und der kurzzeitige Ausfall der Beleuchtung der Säule daraufhin, dass sich etwas in diese Richtung tat, allein der immer mehr ersehnte Erfolg ließ weiter auf sich warten. Dem sich nun einstellenden Hauch von Verzweiflung bei den Reisenden wirkte nur wenig entgegen, dass nach Michaels Eindruck auch die Hotline-Frau erste Zeichen von Unsicherheit zeigte: so wiederholte sie in fragenden Tonfall mehrfach ihren persönlichen Berechtigungs-Code zum Systemeingriff, so als ob Michael ihn ihr bestätigen könne.

Nach gefühlten anderthalb Stunden – in Wahrheit kaum mehr als 15 Minuten – war dann schließlich der dritte – oder war es schon der vierte? – Reset-Versuch erfolgreich, sodass Zoés Ladung ab 18.41 Uhr lief.

Zeitverlust wegen besetzter Ladesäule und deren Funktionsstörung 30 Min.

Muss noch erwähnt werden, dass der Gang ins Bistro ähnlich enttäuschend verlief wie auf dem „Aire de Beaune“ und im Schnellrestaurant in Ecully? Wohl kaum!! Gleichwohl sollte etwas gegen den ärgsten Hunger her, denn bei ihrer auch an diesem Tag deutlich verspäteten Ankunft in Barjac – das Navi sagte 21.38 Uhr voraus – würden zumindest um diese Jahreszeit weder Restaurant noch Pizzeria dienstbereit sein. Also ran an die Burger, Fritten und Sandwiches in ihren Plastikverpackungen!

Wolfgang war es vorbehalten, Michael, der – nun aus anderem Grund der Verzweiflung nahe – nur zu gern etwas Warmes essen wollte, in einem Kühlschrank auf ein Fertiggericht nach Discounter-Art

mit dem verheißungsvollen Namen „Bœuf Bourguignon“ aufmerksam zu machen, das in einem der vorhandenen Microwellengeräten aufzuwärmen wäre. Unter Hintanstellung aller Bedenken und äußerster Vorbehalte ließ er, der selbst gern kocht und auf Qualität von Speisen, Zutaten usw. Wert legt, sich zu diesem unerhörten Akt hinreißen. Und wie so oft, wenn die Erwartungen unterirdisch sind: ganz so schlimm war’s auch wieder nicht, auf schlechtem Kantinenniveau, würde er später sagen, jedenfalls schön heiß!!

Mit 80% Ladung entsprechend einer RRW von 215 km ging es um 19.40 Uhr weiter. Das Ziel der Experimental-Reise 2.0, Wolfgangs Haus im Renaissance-Städtchen Barjac mit der (wohl noch bis Lichtmeß vorhandenen) Weihnachtsbeleuchtung, erreichten die Reisenden ohne weitere Probleme um 21.27 Uhr mit einer RRW von 80 km.


Zeitverlust am zweiten Reisetag wegen besetzter Ladestation und technischer Unwägbarkeiten bei den Ladestationen: 40 Minuten.

In ihrem Gesamt-Fazit der Hinreise, wegen doch deutlicher Erschöpfung erst in den Tagen des Aufenthalts gezogen, sahen die Reisenden ihre Kritikpunkte vom ersten Abend durch die Abläufe des zweiten Tages bestätigt, legen aber Wert auf folgenden weiteren Aspekt:

  • Dringlich wünschenswert, ja notwendig erscheint es ihnen, die Prozeduren an den Ladesäulen „narrensicherer“ zu machen. Wie auch schon bei der ersten Experimental-Reise gewannen die Reisenden auch dieses Mal gelegentlich den Eindruck, dass Störungen einer Ladesäule möglicherweise auf einem Bedienfehler im vorausgegangenen Ladeprozess beruhen, der dann allen nachfolgenden Reisenden zum Verhängnis werden kann.
  • Wie wäre es, liebe Programmierer, eure Ladesäulen so zu konditionieren, dass jeder Ladevorgang bei Null startet, etwa in dem Sinne eines automatischen Resets nach jeder Benutzung? Oder wenigstens die Funktion routinemäßig und engmaschig zu überprüfen?
  • Versöhnlicher stimmten die Reisenden dann doch wieder die seit Eintritt ins französische Autobahnsystem immer wieder auftauchenden Hinweise, dass es „an den folgenden Autobahnabschnitten derzeit kein Benzin gibt“ – wahrscheinlich bedingt durch die seit Monaten andauernden landesweiten Streiks. Strom hingegen gab es immer!


Der Aufenthalt

Es traf sich gut, dass die Reisenden durch Wolfgangs Heizungsstopp während der Fahrt daran gewöhnt waren, notwendige Wärme durch körpereigene Prozesse zu erzeugen, denn die Innentemperatur ihres Feriendomizils betrug bei Ankunft ca. 7° C. Zwar zeigte sich Wolfgang hier großzügig darin, alle nur erdenklichen elektrischen Heizquellen auf volle Leistung hochzudrehen. Gleichwohl gelang es nur mit Hilfe des von Michael ebenso liebevoll wie nachdrücklich befeuerten Holzofens, im Wohnzimmer noch am späten Abend einen Hauch von Annehmlichkeit zu erzeugen. Dies versetzte die Reisenden in die Lage, auf die glückliche Ankunft mit einem „Brut de Rosé“ aus Wolfgangs Beständen, einem wunderbar trockenen Rosé-Sekt, anzustoßen, der nach Lage der Dinge weiterer Kühlung nicht bedurfte.

Dadurch milde gestimmt, entschloss sich der Chronist, über die Temperaturen von Bettzeug und Schlafräumen jedenfalls in dieser ersten Nacht den Mantel gnädigen Schweigens zu breiten. Gleichwohl kam ihm, allein in seinem Gästezimmer, ein Werk aus dem „starckdeutschen“ Gedichtzyklus von Matthias Koeppel in den Sinn und spendete insofern Trost, als es im „kalten, kalten Februar“ noch viel schlimmer hätte kommen können:

Kultar, kultar Feipruorr,
varoum kimmzt tu jeidis Jorr?
Dönn din oisick kultar Frußßt
dootit onz di Lüppislußßt.
Peudulmurtzn op dn Kupfn,
on dr Nuse Oisnzupfn,
Nurr dr Zupfn ün dr Heusz,
där würd nücht so hurrt vis Ois.

Über Nacht hatte Zoé an der öffentlichen Ladesäule

(ja, in diesem wie etlichen anderen Dörfern der Umgebung!!) eine bis auf die erste Stunde kostenlose Ladung erhalten. So  ging es bei kühlem, aber noch heiterem Wetter am Mittwoch nach einem diesmal bescheideneren Frühstück auf den Markt im ca. 20 km nördlich gelegenen Joyeuse im Département Ardèche. Erste Einkäufe wurden getätigt, diese später ergänzt durch einen Kontrollbesuch in Michaels Häuschen, den unvermeidlichen Gang in einen Supermarkt und Besuchen bei Winzern ihres Vertrauens.

Das angebliche „poulet fermier“, Land-Hähnchen, gegen Ende des Marktes an einem Drehspieß-Stand gekauft, auf das insbesondere Rolf sich gefreut hatte, erwies sich ebenso wie die dazu erstandenen in der Fettpfanne des Grills gerösteten Kartoffeln aber doch als Enttäuschung, die durch einen von Michael angerichteten Feldsalat nur mühsam ins Positive gedreht werden konnte.

An den nächsten Tagen blieb das Wetter bei einstelligen Temperaturen, für südfranzösische Verhältnisse also recht kühl, wurde aber unbeständiger, schließlich auch regnerisch. Gleichwohl schafften die Reisenden noch im Trockenen einen Ausflug nach Rochecolombe,

ein weitgehend erhaltenes mittelalterliches Dorf um eine Burgruine herum mit einem spektakulären Wasserfall in der Nähe. Dieser allerdings, wie uns ein dort lebender sehr freundlicher Luxemburger wissen ließ, sprudelt doch nur nach Starkregen richtig, aber bildet auch so eine eindrucksvolle Formation in der Karstlandschaft des Bas-Vivarais.


In den nächsten Tagen hielten sich Mittagsimbisse und durchweg dreigängige Abendessen, mal selbst gekocht, mal im Restaurant, die Waage mit weiteren Winzerbesuchen. Der Freitagsmarkt in Barjac, für die Reisenden jedes Mal ein Muss, war im Vergleich zu wärmeren Jahreszeiten saison- und wetterbedingt stark geschrumpft und wenig besucht.

Am Abend ging es dann nach Ruoms, wo Michael aus einem vorigen Urlaub ein gutes Restaurant ausfindig gemacht hatte, das sogar jetzt im Winter geöffnet hat: Le Terminus. Schon die Speisekarte ließ den Reisenden das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Das Essen war dann wirklich gut, besonders der Nachtisch "Café gourmand" hatte es Wolfgang angetan.

Ein Lichtblick aber war am Samstagabend der Besuch bei Dominique Guignard und Peter Pick im „Café plein sud“ im nahegelegenen Bessas, vgl. „Lautlos unterwegs“ S. 62.

Wie so oft vorher, auch jetzt wieder eine einzigartige Verbindung von Kunst und Genuss: Zunächst die derzeit aktuelle Ausstellung aus Peters Arbeitsheften, ein Feuerwerk an Farben und Stilrichtungen,

danach Dominiques vorzügliche und weitestgehend biologische Küche, diesmal serviert im privaten Salon der Beiden, ein Privileg für die Reisenden. So gab es als Hauptgang, den alle drei gleich gewählt hatten, „caillettes aux cèpes et ragout de légumes“. Die „caillettes“, eigentlich frikadellen-ähnlich, aus Schweinemett mit Mangold und Knoblauch oder auch mit Kastanien oder Kräutern, sind typisch für die Küche der Ardèche, wozu Bessas trotz der nur 6 km Entfernung zu Barjac gehört. Natürlich hatte Dominique, deren Küche seit einigen Jahren strikt vegetarisch ausgerichtet ist, das Schweinemett durch hocharomatische Steinpilzen ersetzt, einfach köstlich!! Im Gemüse-Ragout fanden sich neben Möhren, Petersilienwurzeln und Kartoffeln auch „navets“, weiße Rübchen mit leichter Schärfe, alles sehr fein gekräutert und perfekt gewürzt, zusammen mit Vor- und Nachspeise ein komplettes Dreigang-Menu. Nicht zu vergessen den Gruß aus der Küche vorweg, u. a. mit einer traumhaften Guacamole, ein wirklicher Genuss für die Reisenden, die sich wieder einmal einig waren, dass bei einer Küche solcher Qualität das Fleisch wirklich nicht fehle.


Die Rückfahrt

Bahnbrechend der Gedanke Wolfgangs noch am Samstag als eigentlich naheliegende Analyse der bisherigen Erfahrungen aus Lautlos unterwegs 2.0: Soll das im Klappentext von „Lautlos unterwegs“ gesungene Hohelied der Entschleunigung nicht hohles Gerede bleiben, dann kann die Konsequenz aus den Verzögerungen, dem gelegentlichen Missbehagen und dem zeitweiligen Stress während der Hinfahrt nur lauten: Mehr Entschleunigung!

Nicht eine Sekunde zögerten die Reisenden, sich selbst wegen der Notwendigkeit entsprechender Kleidung nun „Schöffel-Stromer“ nennend, Wolfgangs Vorschlag anzunehmen, in drei statt – wie ursprünglich geplant – in zwei Etappen zurückzufahren. Schnell waren Burgund und das nördliche Lothringen als Zwischenziele ausgemacht. Teils aus früherer Kenntnis, teils aus dem Internet heraus fiel die Wahl auf die „Hostellerie du Parc“ im ländlichen Levernois bei Beaune und das „Hôtel de la Cathédrale“ im Zentrum von Metz. Direkt gegenüber befindet sich die gotische Kathedrale Saint-Etienne, die in diesem Jahr 800 Jahre alt wird, um die Ecke die historische Markthalle, auch der im Jugendstil errichtete Hauptbahnhof und die neue Dependance des „Centre Pompidou“ in fußläufiger Entfernung, alles Ziele besonders nach Rolfs Geschmack.


Der erste Rückreisetag

Auf diese Weise eines frühmorgendlichen Aufbruchs enthoben, starteten die Reisenden am Sonntag (26. Jan.) um 10 Uhr mit einer vollgeladenen Zoé (258 km RRW) bei 7° C, vollgeladen übrigens auch in anderer Hinsicht: Die Reisenden selbst, ihr Gepäck und nun auch ihre Weinkisten schöpften, so eine überschlägige Addition, Zoés erlaubte Zuladung von 440 kg weitgehend aus. Das scheinbar halbwegs freundliche Wetter täuschte, wie die Lichtbänder auf der nach ca. einer Stunde in Montélimar-Sud erreichten Autobahn zeigten: Geschwindigkeitsbeschränkung auf 110 (statt 130) km/h wegen Luftverschmutzung, jaja, die Verbrenner!!

Von Tempo 110 konnte dank des Eco-Modus zwar weiterhin keine Rede sein, wenigstens aber wurde im selben Modus geheizt, was die Innentemperatur der Zoé auf stattliche 18° C hochschnellen ließ, ein Fortschritt gegenüber den 16° C der Hinfahrt. Eine neue Diskussion kam auf unter den Reisenden zum Thema Autobahn oder Landstraße. Insbesondere Michael wies darauf hin, dass man das, wofür man Maut zahle, nämlich die Chance höherer Geschwindigkeit, mit den im Eco-Modus gedeckelten 94 km/h praktisch nicht nutze. Tatsächlich lag ihre höchste Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Hinfahrt bei Autobahnbenutzung mit 74 km/h gerade mal ca. 10 km/h höher als ihr Landstraßendurchschnitt, den fehlenden Ortsdurchfahrten sei‘s gedankt. Zunächst blieben die Reisenden jedoch auf der „autoroute“, doch schon am nächsten Tag sollte es anders kommen.

Der Versuch einer (kostenlosen) Ladung nach 190 km bei einem Discounter in Chasse-sur-Rhône schlug fehl, da die Reisenden, Folge des bequemen Starts, den Supermarkt erst nach dessen sonntäglichen Öffnungszeiten (9 - 12 Uhr), nämlich um 12.25 Uhr erreichten. Also ging es weiter zu der von der Hinfahrt bekannten Ladestation in Ecully im Norden Lyons, wo sie um 13.10 Uhr mit einer RRW von 42 km = 16 % Ladung ankamen. Nach etlichen vergeblichen, auch hotline-geführten Freischaltungsversuchen, auch mit Eingabe der Kreditkarten-Nr. über Handy, brachen die Reisenden, nun wieder genervt, um 13.37 Uhr ab und fanden im Internet eine angeblich kostenlose Lademöglichkeit in ca. 4 km Entfernung bei einem Intersport-Supermarkt, die, da die Hauptzufahrt durch einen Schlagbaum versperrt war, nur über eine eher diskrete unterhalb gelegene Zufahrt anzufahren war. Die Freischaltung mit Z.E.-Pass schlug wieder fehl, die mit ChargeMap funktionierte jedoch ab 14.06 Uhr, und zwar kostenlos, wie sich später herausstellen sollte.

Mitsamt den 10 vergeblichen Minuten beim Discounter war also wiederum eine Verzögerung des Ladebeginns von gut einer Stunde zu verzeichnen.

Die Ladezeit nutzten die Reisenden zu einem Imbiss mit den Resten aus dem Kühlschrank in Barjac, nur insofern bemerkenswert, als Rolf erst hier, dann aber mit umso größerem Erfolg von der Qualität des auf dem Markt in Barjac erstandenen „Morbier“, einem wunderbaren halbfesten Schnittkäse aus dem Jura, überzeugt werden konnte.

Um 15.20 Uhr setzte sich Michael mit 212 km RRW ans Steuer der Zoé, nur um nach 30 Metern Zoés Motorhaube mit einer Beule zu versehen, und zwar durch eine Kollision mit der oberen Schranke des Parkplatzes, die asphalt-grau gestrichen war und daher wunderbar mit dem asphalt-grau gestrichenen Hintergrund verschwamm – höchst ärgerlich!! Tröstlich nur die solidarische Versicherung beider Mitreisenden, dass der aus unerfindlichen Gründen tarnfarbene Schlagbaum „wirklich“ kaum zu sehen gewesen sei.

Mit 74 km RRW kamen die Reisenden um 17.10 Uhr auf dem großen Hotelgelände im burgundischen Levernois bei Beaune an. Dort finden sich in einer wunderbaren Parklandschaft,

an die auch ein Golfplatz angrenzt, ein Sterne-Restaurant mit Hotel aus der Kette „Relais et Châteaux“ und ein rustikaleres Bistrot mit angeschlossenem einfacheren Hotel. Schon bei der Reservierung in den bescheideneren Etablissements war ihnen bedeutet worden, dass sich die Ladesäule für Tesla und andere auf dem Parkplatz des edleren Golf-Hotels befinde. Während sie sich dort problemlos anschlossen, lief sich nebenan im Stand gerade ein Ferrari warm, lautstark und mit beeindruckender Abgaswolke.

Die „Hostellerie du Parc“ hat für regelmäßig Reisende den großen Vorteil, an allen 7 Tagen pro Woche und fast über das ganze Jahr dienstbereit zu sein. In ihren geschmackvoll eingerichteten Zimmern gönnten sich die Reisenden vor dem Abendessen noch eine späte „sieste“. Zum Apéro bot ihnen die charmante Chefin der Hotelanlage, die aus Berlin stammt und daher natürlich Deutsch spricht, nach einem freundlichen Smalltalk über ihre Experimental-Reise eine Sitzgruppe in der Bar des Hotels an, auffallend hier neben der gediegenen Einrichtung die Anzahl des Service-Personals: trotz eher geringer Auslastung war man von mehreren dienstbaren Geistern umgeben.

Im Bistrot gibt es eine kleine Karte mit 4 Vorspeisen, 3 Hauptgängen und ein paar Desserts zur Auswahl, das Dreigang-Menü in der Woche für 32 €, dies umso angemessener, als die Speisen natürlich aus ein- und derselben Küche kommen, also in den Grundzutaten und -zubereitungen in Sterne-Qualität. Der „Crémant de Bourgogne“, ein Sekt, den sie schon zum Apéro hatten, erwies sich als ausgezeichneter Begleiter zu den Vorspeisen und dem Zanderfilet, zu dem sich alle drei als Hauptgang entschieden hatten. Danach gab‘s noch roten Burgunder zu Käse und Süßem, und so getröstet ging selbst Unglücksfahrer Michael, von den beiden anderen ganz zu schweigen, hochzufrieden zu Bett.

Zeitverlust am ersten Rückreisetag 65 Min.


Der 2. Rückreisetag

Mit 246 km RRW verließen sie nach einem üppigen Frühstück um 9.10 Uhr dieses gastliche Anwesen, nicht ohne zuvor zum Abschied der schon wieder im Dienst befindlichen Chefin ein Exemplar von „Lautlos unterwegs“ zu überreichen, das sie mit Vergnügen lesen werde, wie sie betonte.

Nach relativ kurzer Autobahnfahrt in Richtung Dijon kam Wolfgang spontan die Idee eines Abstechers zu Nachbarn aus Barjac, die sich zurzeit in ihrem Haus in Burgund aufhalten sollten, was ein Anruf bei ihnen bestätigte. So bogen die Reisenden auf die A 36 Richtung Dôle – Besançon ab und hielten ein Stück nach Osten. Ab Dôle-Authume ging‘s zu Michaels Freude auf Landstraßen weiter bis in das Örtchen Serre-les-Moulières, auf einen Kaffee zu den sehr freundlichen Nachbarn, einem deutsch-französischen Paar, der Künstlerin Elisabeth Le Gros und ihrem Mann Wulf Böttcher..

Demzufolge plauderten sie mal deutsch, mal französisch, und nach einem guten Stündchen brachen sie um 11.40 Uhr mit 156 km RRW auf, nicht ohne noch eine Flasche selbstgemachten „Rosenwein“ zu erhalten, einen mit Rosenblüten aromatisierten Rotwein, „sehr kalt als Apéro zu trinken!“ Zu Michaels weiterer Freude lohnte nun die Rückkehr auf die Autobahn nicht, sie nahmen die sehr gut, teils vierspurig ausgebaute N 57 Richtung Vesoul.

In diesem Städtchen, ganz geprägt von einem riesigen PSA-Automobilwerk (Peugeot, Citroen, Opel), erlebten die Reisenden erneut eine Ladesäulen-Odyssee. Deren erste, erreicht um 12.53 Uhr mit 95 km RRW, ist besetzt, die zweite an der „préfecture“, der Kreisverwaltung, nach mühsamem Suchen durch Einbahnstraßen-Gewirr ebenfalls, die dritte, etwas außerhalb gelegen auf dem Gelände einer größeren Renault-Niederlassung, ist mit Verbrennern zugestellt, erkennt aber auch Wolfgangs Z.E.-Pass von Renault (!!) nicht. Geklärt werden kann nichts, weil das ganze Unternehmen der Mittagsruhe (12 – 14 Uhr) pflegt.

Bei der Bürgermeisterei des wenige km entfernten Vororts Frotey-lès-Vesoul konnten sie um 13.25 Uhr bei 87 km RRW mit dem ChargeMap-Pass schließlich erfolgreich anschließen, aber auch nur das, denn nach einer Möglichkeit zu einem Mittagsimbiss suchten sie trotz Durchstreifens nahezu des gesamten ziemlich trostlosen Örtchens vergeblich.

So blieb es bei Brot- und Käseresten, Studentenfutter noch vom Markt in Barjac, Müsli-Riegeln u. ä. Um 14.21 Uhr brachen sie mit einer Ladung von 75% = 196 km RRW auf, weiterhin auf der N 57 Richtung Nancy – Metz. Solche gut ausgebauten Fernstraßen („E 23“), oft mit Ortsumgehungen, erlauben in Frankreich bei einer Richtungsfahrbahn wie auf allen Landstraßen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, bei zwei Richtungsfahrbahnen 90 km/h und bei komplett vierspurigem Ausbau mit mittigem Grünstreifen 110 km/h und passen insbesondere nach Michaels Ansicht viel besser zur Zoé im Eco-Modus als die mautpflichtigen Autobahnen, wo sie mit ihren 94 km/h manchmal selbst für LKW, besonders im Dunkeln, noch ein Hindernis darstellt.

Zeitverlust 40 Min. incl. Umweg nach Frotey-lès-Vesoul.

In strömendem Regen und mit 87 km RRW erreichten die Schöffel-Stromer um 15.39 Uhr den Bahnhofsvorplatz von Thaon-les-Vosges, indessen funktionierte wieder einmal die Freischaltung der Ladesäule nicht. Die nächste Ladesäule, wieder hinter der Bürgermeisterei, wartete mit einer besonders komplizierten Anschluss-/Freischalt-Prozedur auf: zuerst das Kabel in die Zoé, dann Zoés Zentralverriegelung betätigen, dann das Kabel in die Ladesäule, dann freischalten….Um 15.54 Uhr, beim 4. – oder war‘s der 5.? – Versuch, klappte es in weiter strömendem Regen, aber wohl nur mit 11 kW/h. Diese Ladestärke ermittelte Wolfgang mangels eindeutiger Anzeige mittels der Stoppuhrfunktion seines Smartphones: ca. 2 Min. 30 Sek. für ein Prozent Ladung, aber immerhin kostenlos!

Zeitverlust 15 Min. + ca. 20 Min. wegen geringerem Ladestrom.

Nach einem „Eclair“, wir würden sagen: Liebesknochen (ein Pudding-Teilchen), für Wolfgang und Kaffee für ihn und Michael in einer nahe gelegenen Bäckerei – Rolf war in der Zoé geblieben – ging es bei 4° C und Dauerregen mit 69 % Ladung = 174 km RRW weiter. 

Die Tiefgarage „Parking Cathédrale“ im Zentrum von Metz (24 Std. 14,50 €) erreichten sie um 19.20 Uhr mit 61 km RRW. Die im Parkhaus schlecht ausgeschilderte Ladesäule liegt auf Ebene 1, wie sie auf Ebene 3 erfuhren. Eine sehr freundliche und hilfsbereite Aufsicht lotste die Reisenden über die Einbahn-Rampen gegen die Fahrtrichtung auf die richtige Ebene, beide Boxen waren frei. Die Doppel-Ladesäule war vom selben Hersteller/Betreiber wie die in Thaon, aber nach der dort gemachten Erfahrung startete die Ladung schon nach 5 Minuten um 19.28 Uhr mit Freshmile-Pass. Auf der Ladesäule fand sich – allerdings nur auf Französisch – der dringliche Hinweis, Ladebox und -säule nach abgeschlossener Ladung, spätestens aber nach zwei Stunden, freizugeben, einer Bitte, der Wolfgang selbstverständlich später entsprach.

Das „Hôtel de la Cathédrale“ liegt direkt gegenüber der Kathedrale St. Etienne innerhalb einer Häuserzeile wohl aus dem 19. Jahrhundert und besticht insbesondere durch seine absolut zentrale Lage. Die Zimmer der Reisenden lagen im 3. Stock und sind nur über Treppen zu erreichen, bei der Geschosshöhe für manchen schon eine kleine Herausforderung. Sie hatten neue Bäder und waren auch sonst ordentlich, manches andere, z. B. das Treppenhaus, könnte eine Auffrischung vertragen.

Angesichts der vorgerückten Zeit entschieden sich die Reisenden, im hoteleigenen marrokanischen Restaurant "La Baraka" zu speisen. Die nordafrikanischen Speisen – Tajines, Couscous, Spieße, Hauptgerichte 12 bis 16 € – waren erstaunlich mild gewürzt, aber doch passabel, ein algerischer Rosé passte gut dazu, ein paar Süßigkeiten und Feigenschnaps als „digestif“ gab‘s aufs Haus.

Zeitverlust am zweiten Rückreisetag 75 Min.


Der 3. Rückreisetag

Nach zeitigem und ordentlichem Frühstück, allerdings mit Kaffee, den auch Herzkranke sorglos hätten trinken können, erreichten sie mit ein paar Schritten die 800 Jahre alte Kathedrale, die zumindest im Inneren dem Kölner Dom in nicht viel nachsteht und besonders bekannt ist für einige Fenster von Marc Chagall. Geradezu magisch der Moment, als ein kurzer Sonnenstrahl die hoch- und spätmittelalterlichen Buntglasfenster der Südseite des Hauptschiffs zum Leuchten brachte.

Den benachbarten „Marché Couvert“, eine Markthalle voller Feinschmeckerstände, durchstreiften die kulinarisch immer interessierten Reisenden mit großem Vergnügen und erwarben die eine oder andere Köstlichkeit für die Lieben zu Haus. Ein kurzer Gang durch das historische Zentrum und über die Place Saint-Jaques fand sein Ende in einem Hagelschauer. Daher verzichtete Rolf, der eigens deswegen, aber auch im Hinblick auf die weiter bescheidenen Innentemperaturen der Zoé wieder lange Unterhosen angelegt hatte, auf den Marsch zum ca. 1km entfernten gewaltigen Hauptbahnhof, der – in den Jahren 1905 bis 1908 im Stil der Zeit errichtet – aus der Periode stammt, in dem Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich gehörte.

Bei 3° C und mit 255 km RRW brachen die Reisenden um 10.45 Uhr auf, der andauernde Schneeregen ließ für die Eifelpassage mit ihren Höhen über 500 m nichts Gutes erwarten. Diese Gedanken wurden eher noch bestärkt durch die Hinweise auf den über der Fahrbahn angebrachten Leuchtbändern „Adaptez votre vitesse aux conditions météorologiques“ - „Passen Sie Ihre Geschwindigkeit an die Wetterverhältnisse an“, die ab dem Grenzübertritt nach Luxemburg zu lesen waren. Seit dem Knick des Kurses nach Osten auf dem Kirchberg-Plateau wirkte der kräftige Westwind nun als Rückenwind, ein Umstand, der Wolfgang wichtig war.

Nach einer kurzen Pause an der Tankstelle Wasserbillig, wiederum zum Kaffeekauf, erreichten die Reisenden um 12.30 Uhr die deutsche Grenze und 30 Minuten später bei 2° C und mit 93 km RRW die von der Hinfahrt schon bekannte Ladestation der Sparkasse Bitburg-Prüm.

Nach einem Mittagsimbiss im Restaurant „Bit-Stuben“, wo es insbesondere zu Rolfs Freude u. a. gebackene Eifeler Landhähnchen gab,

ging es um 14.27 Uhr mit 93 % Ladung = 230 km RRW weiter, zur Erleichterung der Reisenden mit keinerlei winterlichen Einflüssen auf die Verkehrsverhältnisse. So kamen sie um 16.03 Uhr bei 4° C mit 134 km RRW in Erftstadt-Liblar an, wo sie an der gleichfalls bekannten Discounter-Ladesäule nachluden.

Um 16.40 Uhr brachen sie dort mit 75 % Ladung = 205 km RRW auf und freuten sich, dass Zoés Navi für die Passage Kölns im Berufsverkehr nur 12 Minuten Verzögerung anzeigte, tatsächlich verlief die Fahrt über die A 1 im Kölner Norden mit nur geringer Zähflüssigkeit erstaunlich glatt. Nach insgesamt 2.452 km erreichten sie um 18.34 Uhr mit 82 km RRW Zoés Heimatstandort, wo sie mit einer wunderbaren Gemüsesuppe und einer Käseplatte empfangen wurden und mit dem Rosenwein der Nachbarn aus Barjac auf die glückliche Rückkehr anstießen.


 Reisedauer         

1. Reisetag:  11.30 Std.
2. Reisetag:  13.00 Std.

3. Reisetag:    7.10 Std.
4. Reisetag:   10.10 Std.

5. Reisetag:    7.50 Std.

Zeitverluste insgesamt: 6 Std. + Umweg zu Freunden und Nutzung von Landstraßen (geschätzt): 3 Std.

Kosten für Ladungen insgsamt ca. 50,- € für 2.400 km.

Quintessenz

  • Die Renault Zoé hat die Reisenden stets zuverlässig und ohne Probleme geführt. Auch die Leistung der Heizung war stets ausreichend. Die Möglichkeit, während des Ladens das Auto vorzuheizen, wurde als sehr komfortabel empfunden und klappte zuverlässig. Ein stärkerer Ladestrom wäre sehr nützlich, weil sich dadurch die Ladezeiten deutlich verkürzen ließen. Dies war bei einer früheren Variante der Zoé möglich und ist es nun bei der neuen Version mit noch höheren Strömen, allerdings nur an Gleichstromladestationen.
  • Die Zuverlässigkeit der Ladestationen lässt über weite Strecken in Frankreich (auch in Deutschland, wie Wolfgang auf verschiedenen Reisen erfahren musste) zu wünschen übrig. Man stelle sich vor, Autobahntankstellen würden im großen Umkreis nicht funktionieren und Verbrenner müssten sich abseits der Schnellstraßen Alternativen suchen!
  • Eine winterliche Reise wie diese empfiehlt sich nur, wenn man genügend Zeit mitbringt und die Ladepausen als willkommene Unterbrechung und Erholung ansieht statt als lästiges Übel. Auch sollte man die Ladestationen vorab im Internet auf ihre Funktion und Zuverlässigkeit überprüfen, was allerdings nicht immer mit aktuellen Informationen möglich ist.